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10 Jahre Finanzkrise : Amerikas Banken sind mächtiger denn je

Die Banken wuchsen, weil die amerikanische Regierung die Übernahme strauchelnder Finanzinstitute durch stabilere Konkurrenten förderte. So übernahm JP Morgan mit Sicherheiten der Regierung die in Schieflage geratene Investmentbank Bear Stearns und das Kreditinstitut Washington Mutual. Die Bank of America schluckte den auf Ramschhypotheken spezialisierten Finanzkonzern Countrywide und die große Investmentbank Merrill Lynch. Wells Fargo, die einst eine große Regionalbank an der Westküste gewesen war, übernahm die nach Bilanzsumme größere Bank Wachovia aus Charlotte, den Lokalrivalen der Bank of America.

Altlasten der Finanzkrise bremsen europäische Banken

Die Übernahmen kosteten die Banken zwar viele Milliarden Dollar Bußgeld, weil sie sich auch die juristischen Risiken fragwürdiger Hypothekengeschäfte ins Haus holten. Trotz allem waren sie danach in einer aussichtsreicheren Position, von der Erholung der amerikanischen Wirtschaft zu profitieren. Brian Moynihan, Vorstandschef der Bank of America, konstatiert zudem eine wachsende globale Dominanz der amerikanischen Banken: „Es gibt auf der Welt nur noch eine Handvoll Banken, die echte globale Universalbanken sind. Und das sind alles amerikanische Institute.“

Die Gewinne der nach Bilanzsumme zehn größten amerikanischen Banken stiegen nach Berechnungen der Unternehmensberatung EY im ersten Halbjahr 2018 gegenüber dem Vorjahr um 19 Prozent auf umgerechnet 68 Milliarden Euro. Damit waren sie doppelt so profitabel wie europäische Wettbewerber.

Die amerikanischen Banken profitierten von der im vergangenen Jahr verabschiedeten Senkung der Körperschaftsteuer und dem Aufschwung der heimischen Wirtschaft. „Die amerikanischen Banken sind in diesem Jahr deutlich gewinnstärker und profitabler als ihre europäischen Wettbewerber – und der Abstand scheint sich zu vergrößern“, sagte Claus-Peter Wagner von EY. In Europa belasteten weiterhin die Kosten für Umstrukturierungen sowie für Rechtsstreitigkeiten die Bilanzen – also Altlasten aus der Finanzkrise.

Amerikas Banken haben das hinter sich. Zwar blickte die Branche nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers am 15. September 2008 in einen Abgrund. Regierung und Bankenaufseher reagierten aber schnell und stabilisierten die Banken mit einer Finanzspritze in dreistelliger Milliarden-Dollar-Höhe. Diese rasche Rekapitalisierung gilt als Wendepunkt der Krise.

Schnelle Rekapitalisierung hat Rezession verkürzt

Schon zum fünften Jahrestag der Pleite hieß es in einer Analyse der Deutschen Bank, dass zwischen der Entwicklung amerikanischer und europäischer Banken Welten lägen. Begründet wurde das mit den Vorteilen eines einheitlichen amerikanischen Binnenmarktes, einer mächtigen Zentralregierung, einer interventionistischen Notenbank und einer im Gegensatz zum Euro nicht in Frage gestellten Währung.

Auch die Erholung der amerikanischen Konjunktur hängt womöglich mit der raschen Rekapitalisierung zusammen. Zwei Wissenschaftler aus Amsterdam kamen in einer Studie zum Schluss, dass „eine entschiedene und frühzeitige Rekapitalisierung in Schieflage geratener Banken Rezessionen um mehrere Jahre verkürzen kann.“

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