https://www.faz.net/-gqe-78ahb

„Alternative für Deutschland“ : Anti-Euro-Partei wächst rasant

Dagegen gibt es auch heftigen Widerspruch. Der neue Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, hält den Euro in der Krisendebatte nur für einen Sündenbock, die Argumente der „Alternative für Deutschland“ nennt Fratzscher „grundfalsch“. „Die Einführung des Euro hat Vorteile für alle Mitgliedsländer gebracht. Durch mehr Handel, vertiefte Finanzintegration, günstigere Finanzierungsbedingungen, erhöhte Preisstabilität und eine Intensivierung des Wettbewerbs“, betont er in einem Aufsatz für die „Zeit“. Zwar habe der Euro über günstigere Finanzierungsbedingungen einige Länder verleitet, mehr Schulden zu machen. Dafür sei aber die Politik, nicht die Währung verantwortlich. Es gebe keine Euro-Krise, betont Fratzscher, der zuvor Abteilungsleiter in der EZB war. Blum wiederum weist das Argument zurück, dass Deutschland vom Euro stark profitiert habe. „Einen großen Anteil des Exports verschenken wir de facto, weil die Abnehmerländer in Südeuropa es gar nicht mehr bezahlen können und auf Kredit gekauft haben.“

Einige Ökonomen warnen hingegen vor einem gigantischen Vermögensverlust, wenn der Euro aufgegeben würde. Thomas Straubhaar, der Chef des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts, schreibt aktuell in einem Kommentar für die „Welt“, dass Deutschland dann einen Großteil seiner Auslandsvermögen verlieren würde, wenn eine neue D-Mark stark aufwerten würde. „Für Deutschland wäre eine so starke Abschreibung in so kurzer Zeit eine Schocktherapie, die selbst eine an sich gesunde Wirtschaft nachhaltig schädigen würde.“ Die Ökonomen aus dem AfD-Umfeld hingegen glauben, dass die deutschen Forderungen besonders in Südeuropa ohnehin nicht mehr viel wert sind.

Erster Parteitag am Sonntag in Berlin

Am Sonntag trifft sich die neue Partei zu einem ersten Parteitag in Berlin. Gut 1500 Mitglieder haben sich angemeldet, zudem wollen 60 Journalisten und sechs Kamerateams kommen. Allein dies zeigt, dass die neue Partei von großem Medieninteresse profitiert. Sie steht aber auch stark unter Beobachtung, etwa von Journalisten, die ihr rechtspopulistische Tendenzen vorwerfen. Lucke hat hohe Erwartungen an den Parteitag. „Wenn es gut läuft, kann das einen großen Schub geben.“ Zugleich weiß er, dass die Partei noch sehr jung, unerfahren und heterogen ist – und damit auch anfällig für Streit. „Die 1500 Leute haben keine Parteitagserfahrung. Es gibt auch ein Risiko, dass sie sich in die Haare kriegen.“

Und nach dem Parteitag fängt die Mühe erst an. Dann müssen bis Mitte Juli Unterschriften gesammelt werden – je Bundesland bis zu 2000 –, um zur Bundestagswahl zugelassen zu werden. Und sie muss respektable Kandidaten aufstellen und ein Wahlkampf organisieren. Der Schwung der neuen Graswurzelbewegung ist zwar groß, doch die Hürden vor einem Erfolg sind noch viel größer.

Weitere Themen

Der Traum vom Sozialismus

FAZ Plus Artikel: Spitze der Linksjugend : Der Traum vom Sozialismus

Einige Landesverbände der Linksjugend werden von den Verfassungsschutzämtern als linksextremistisch eingestuft. Anna Westner und Franziska Lucke sind im Führungsteam des Bundesverbands – und glauben an einen demokratischen Sozialismus. Folge 3 unserer Serie „Jung und politisch“.

Topmeldungen

Corona in Amerika : Trump sucht Beatmungsgeräte

100.000 Geräte in 100 Tagen ist das Ziel. Das sei vermutlich mehr als genug, vermutet der amerikanische Präsident. Dabei verzeichnet kein Land mehr infizierte Personen als die Vereinigten Staaten.
Keine Länderspiele, kein DFB-Pokal – keine Einnahmen: Auch der reichste Verband muss da neu rechnen.

Geldnot beim DFB? : Das Füllhorn versiegt

Der Deutsche Fußball-Bund durfte stets aus dem Vollen schöpfen, aber die Corona-Krise könnte den Verband schwer treffen. Eine Baustelle belastet den Haushalt besonders.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.