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Allianz-Chef Diekmann zur Euro-Krise : „Wir werden im Jahr 2011 Staatsanleihen kaufen“

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Allianz-Vorstandsvorsitzender Michael Diekmann Bild:

Ohne die Dresdner Bank geht es der Allianz gut. Der Vorstandsvorsitzende Michael Diekmann ist auch für das nächste Jahr optimistisch – sogar für die überschuldeten Euro-Staaten.

          6 Min.

          Herr Diekmann, erleben wir 2011 das Ende des Euro?

          Vielleicht zunächst einmal zu 2010: Das war ein merkwürdiges Jahr, in dem Deutschland einen beachtlichen Wirtschaftsaufschwung erlebt hat, mit dem wohl so nur unser Chefvolkswirt Michael Heise gerechnet hat. Die Kapitalmärkte waren gleichzeitig sehr, sehr unruhig. Das zeigt, dass das, was wir als Wirtschaftsrealität wahrnehmen, nicht immer draußen in der Welt widergespiegelt wird. Für 2011 bin ich optimistisch. Der EU-Gipfel hat einen großen Fortschritt für den Euro gebracht, die Einigkeit der Regierungschefs war sehr wichtig, und unsere Bundeskanzlerin hat sich nicht ins Bockshorn jagen lassen und einen Erfolg für Deutschland erzielt. Jetzt geht es an die Detailarbeit.

          Der politische Durchbruch, von dem Sie sprechen, ändert nichts an der verheerenden Schuldensituation der EU-Länder.

          Ja, aber es war sehr wichtig, dass wir nicht in die Weihnachts- und Neujahrspause gehen und den Kapitalmarkt im Unklaren über den Euro lassen. Es ist Unsicherheit genommen worden.

          Aber der Rettungsschirm wird weiter aufgespannt. Da wächst doch die Gefahr, dass die Euro-Zone von einer Stabilitäts- zu einer Schuldengemeinschaft wird?

          Ich halte das für übertrieben. Natürlich gibt es hoch verschuldete Länder. Aber sie haben nun das eindeutige Signal erhalten, dass ein Transfer nicht ohne Gegenleistung zu haben ist. Das Vetorecht für Deutschland und die Tatsache, dass sämtliche Maßnahmen immer ultima ratio sind, sollte den deutschen Steuerzahler einigermaßen beruhigen.

          Ist es nicht beunruhigend, dass die Schuldenstaaten in den nächsten zwei Jahren 1 Billion Euro benötigen werden?

          Lassen Sie mich einige volkswirtschaftliche Fakten entgegenhalten: Es gibt im Euro-Raum Produktivitätsfortschritte, die Leistungsbilanzungleichgewichte nehmen ab, bis auf den Kandidaten Griechenland stabilisieren sich die Arbeitsmärkte allmählich, und wenn jetzt beim Thema Lohn die richtigen Maßnahmen getroffen werden, wird das alles zu höherer Wettbewerbsfähigkeit führen.

          Italien wird 2011 Anleihen in Höhe von 100 Milliarden Euro auflegen, um Schulden zu finanzieren. Wird die Allianz nächstes Jahr Staatsanleihen zeichnen?

          Ja, das werden wir tun. Wir sind heute schon stark in Staatsanleihen investiert, auch in den Peripheriestaaten, in denen unsere Tochtergesellschaften Geschäfte machen. Das ist auch richtig, weil die Zinserwartung in diesen Ländern dem dortigen Zinsniveau entspricht: Die Allianz kann einem griechischen Lebensversicherten ja schlecht erklären, dass sie die Garantie aus deutschen Bundesanleihen bedient. Wichtig ist außerdem die Botschaft an die Regierungen, dass sie stabile, langfristige Investoren haben, diese aber die Gelder auch schnell abziehen können, wenn die Haushaltsmaßnahmen nicht konsequent umgesetzt werden.

          Bisher hat nur die Europäische Zentralbank die Anleihen der angeschlagenen Staaten gekauft. Jetzt muss sie ihr Eigenkapital verdoppeln...

          ...das war, ehrlich gesagt, nur ein politisches Signal. Wir reden bei der EZB über eine Aufstockung des Grundkapitals um 5 Milliarden Euro. Das ist in Relation nicht viel.

          Die Aktionäre werden nicht begeistert sein, wenn sie hören, dass die Allianz Anleihen von überschuldeten Staaten kauft.

          Wir sind transparent und geben jedes Quartal Auskunft darüber, was wir tun. Die Allianz hält Staatsanleihen von Portugal, Irland und Griechenland im Wert von unter 4 Milliarden Euro, das sind weniger als 1 Prozent unserer gesamten Kapitalanlagen. Das unterscheidet sich schon sehr von dem, worüber wir jetzt sprechen, nämlich den Kernmärkten Europas, Italien, Spanien, Frankreich und Deutschland. Als Lebensversicherer gehen wir immer langfristige Verpflichtungen ein, das ist Teil unseres Geschäfts.

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