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Ackermann auf dem Gipfel : Als Berater der Politik wahren Banken ihren Einfluss

Ein gutes Team? Jean-Claude Juncker und Josef Ackermann Bild: AFP

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann war auf dem Sondergipfel in Brüssel vor Ort. Europas Regierungen sind in der Schuldenkrise auf die Kenntnisse der Kreditwirtschaft angewiesen. Ohne Banken geht es nicht.

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          „Wir können mit der Lösung nicht unzufrieden sein, schließlich sitzt Josef Ackermann am Tisch.“ Dieser Satz war am Donnerstagnachmittag aus Bankenkreisen zu vernehmen, als sich auf dem Brüsseler Sondergipfel, auf dem der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank anwesend war, die ersten Konturen für das zweite Griechenland-Paket abzeichneten. Dass die Beteiligung der Banken und Versicherer an den Hilfsmaßnahmen für das überschuldete Euroland zu einem teilweisen Zahlungsausfall und zu einem deutlichen Abschreibungsbedarf schon in den Halbjahreszahlen führen, darauf war die deutsche Kreditwirtschaft schon seit einigen Tagen vorbereitet gewesen.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dass Ackermann sowie Baudouin Prot, Vorstandschef der französischen Großbank BNP Paribas, die europäischen Regierungen auf dem Sondergipfel beraten haben, zeigt den Einfluss, den die europäischen Banken in der Euro-Staatsschuldenkrise ausüben. Es gibt keinen politischen Lösungsvorschlag, an dem die führenden Geschäfts- und Investmentbanken nicht mitgewirkt haben. Auf dem Bankentag Ende März in Berlin hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel noch beklagt, dass die Staatsverschuldung im Euroraum in den Blick jener Marktteilnehmer geraten sei, die von den Regierungen in der Finanzkrise noch gerettet worden seien. Doch schon damals ließ sich die Politik in den Rettungsmaßnahmen von Banken beraten. Eine Lösung der Schuldenkrise kann ebenfalls nicht ohne die wichtigsten Gläubiger erfolgen. So sitzen die Banken einmal mehr mit am Verhandlungstisch.

          Dass die Deutsche Bank hier allgegenwärtig ist, liegt vor allem an Ackermann. Er war in den vergangenen Monaten ein bevorzugter Gesprächspartner der europäischen Politik, wenn es galt, mögliche Lösungen der Euro-Schuldenkrise zu erörtern. Der Schweizer ist Präsident des internationalen Finanzverbandes Institute of International Finance (IIF), dem die 400 wichtigsten Banken und Versicherer aus der ganzen Welt angehören. Dieser Verband hat in den vergangenen Wochen in mehreren Konferenzen, überwiegend in Rom und Paris, mit der Politik und den Notenbanken die Möglichkeiten einer Beteiligung der Banken und Versicherer besprochen. „Der IIF hätte schon in der ersten Griechenland-Krise im Frühjahr 2010 zu den Beratungen hinzugezogen werden müssen. Denn der Verband hat in den Umschuldungen in Lateinamerika umfangreiche Erfahrungen gesammelt“, sagt Gerhard Hofmann, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR).

          Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann (links) und Kanzlerin Angela Merkel im Juni
          Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann (links) und Kanzlerin Angela Merkel im Juni : Bild: dpa

          Am Donnerstag präsentierte der IIF in Brüssel ein Modell, in dem sich die privaten Gläubiger mit 17 Milliarden Euro an dem zweiten Hilfspaket beteiligen sollen. Den Finanzbedarf des Landes beziffert der Verband bis Mitte 2014 auf 173 Milliarden Euro. Davon entfallen 28 Milliarden Euro auf Privatisierungserlöse der griechischen Regierung und 57 Milliarden Euro auf die noch nicht ausbezahlten Kredittranchen des ersten Hilfspakets. Die Eurogruppe und der Internationale Währungsfonds (IWF) müssten dann noch gut 70 Milliarden Euro aufbringen. Die privaten Gläubiger würden nach Vorstellung des internationalen Finanzverbands Anleihen, die bis Ende 2019 fällig werden, in Schuldtitel mit einer Laufzeit von 30 Jahren tauschen. Daraus erwartet der IIF einen Beitrag von 17 Milliarden Euro.

          Nach IIF-Angaben halten private Gläubiger gegenwärtig 150 Milliarden Euro an griechischen Staatsanleihen. Davon würden Banken und Versicherer nach eigenem Vorschlag gerade mal etwas mehr als ein Zehntel beitragen. Eine hohe Opferbereitschaft stellt dies nicht dar. Denn griechische Schuldtitel werden am Markt nur noch mit der Hälfte ihres Nennwerts gehandelt.

          Zwar sitzen die Banken am Verhandlungstisch und können damit Einfluss nehmen, aber am Ende entscheidet die Politik. Und die muss darauf achten, dass die Lösungen auch dem Wahlvolk verkauft werden können. Nach den Rettungsaktionen in der Finanzkrise ist in der Bevölkerung die Akzeptanz für ein Modell, das die Banken schont, nicht vorhanden. Aufgrund der Gefahren, die ein nur von Politikern beschlossenes Hilfspaket an den Finanzmärkten hervorrufen kann, ist aber die stärkere Einbindung der Banken sinnvoll. Denn es liegt im Interesse der Allgemeinheit, einen unkontrollierten Zahlungsausfall Griechenlands zu vermeiden. Deshalb müssten die technischen Effekte der Beschlüsse auf die Finanzwirtschaft berücksichtigt werden, argumentieren Vertreter deutscher Banken. Schließlich habe das zweite Hilfspaket für Griechenland mit der Beteiligung privater Gläubiger auch Modellcharakter für Irland und Portugal, sollten in Zukunft dort ähnliche Maßnahmen nötig werden.

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