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Geldpolitik rund um den Globus : 67 Mal die Zinsen gesenkt – und das ist nicht das Ende

EZB-Präsident Mario Draghi mit seiner designierten Nachfolgerin Christine Lagarde. Bild: Reuters

Überall stemmen sich Notenbanken gegen den Abschwung, demnächst dürfte die EZB mit neuen Maßnahmen folgen. Gut ist das nicht – denn Schuld sind andere.

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          Sage und schreibe 67 Leitzinssenkungen durch Notenbanken hat die Welt in diesem Jahr bisher gesehen. Dabei wird es nicht bleiben. Die Europäische Zentralbank dürfte im September folgen, eventuell ergänzt um ein neues Anleihekaufprogramm.

          An den Finanzmärkten gilt mindestens eine weitere Leitzinssenkung durch die amerikanische Federal Reserve bis Jahresende als wahrscheinlich. Dem Sog der beiden größten Notenbanken der Welt werden sich Währungshüter in kleineren Ländern kaum entziehen können.

          Der Zinsrückgang, ablesbar auch an sinkenden Anleiherenditen, ist ein globales Phänomen, so wie auch die Fragilität der Konjunktur nicht auf eine einzige Region beschränkt ist. Es wäre nicht erstaunlich, sähe die Welt bis Ende Dezember 100 Leitzinssenkungen. Aus einer rein wirtschaftlichen Sicht existiert kein Grund für ein Ende des jahrelangen Aufschwungs der Weltwirtschaft, der weitgehend frei von Inflation und ohne Überforderung der Produktionskapazitäten verlaufen ist.

          Regierungen nicht aus der Verantwortung entlassen

          Politisches Handeln, das seine Ursache nicht selten in gesellschaftlicher Unrast findet, ist zur größten Gefahr für den Aufschwung der Weltwirtschaft geworden. Politisches Handeln nicht nur in Washington sorgt für eine erhebliche Verunsicherung.

          Unternehmen in der Realwirtschaft halten Investitionen zurück, an den Finanzmärkten fliehen Anleger in sichere Anlagen. Dies akzentuiert den ohnehin vorhandenen Trend zu fallenden Anleiherenditen. Anleihen im Wert von rund 15 Billionen Euro weisen mittlerweile negative Renditen auf – darunter auch eine hundertjährige Anleihe Österreichs.

          Was auf den ersten Blick mindestens widersinnig und auf den zweiten Blick sogar verrückt erscheinen mag, besitzt durchaus Sinn. Wer in der grassierenden Unsicherheit über die wirtschaftliche und politische Entwicklung einen Verfall der Aktienkurse um mehr als 10 Prozent für möglich hält, wird sich mit einer Staatsanleihe eines soliden Landes geborgen fühlen, auch wenn deren Rendite leicht unter Null liegt.

          An den Finanzmärkten werden wegen der Verschlechterung der Wirtschaftslage weitere Lockerungen der Geldpolitik erwartet; gleichzeitig wachsen dort aus gutem Grund die Zweifel an der Kraft der Geldpolitik. Bei Zinssätzen um oder unter null Prozent nimmt die Wirksamkeit der Geldpolitik ab.

          Für die Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage sind in erster Linie Regierungen verantwortlich. Notenbanken tun nicht gut daran, Regierungen aus ihrer Verantwortung zu entlassen.

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

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