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Krise vernichtet Vermögenswerte : 50.000.000.000.000 Dollar

  • Aktualisiert am

Die Finanzkrise hat Billionenwerte vernichtet Bild: Franz Pfluegl / fotolia.de

Die Zahl entzieht sich jeder Vorstellung: Nach einer Studie der Asiatischen Entwicklungsbank hat die Finanzkrise weltweit Vermögenswerte im Umfang von 50 Billionen Dollar vernichtet. Die Bank spricht von der schlimmsten Krise seit der großen Depression.

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          Bisher hat die Krise die internationale Wirtschaftsleistung eines ganzen Jahres vernichtet. Die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) schätzt, dass bislang auf der ganzen Welt mehr als 50 Billionen Dollar Anlagevermögen vernichtet wurden. Allein in den Schwellen- und Entwicklungsländern Asiens sei Kapital von 9,625 Billionen Dollar verlorengegangen - dies entspricht sogar 109 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) eines Jahres dieser Länder. In Lateinamerika dürften sich 2 Billionen Dollar oder rund 57 Prozent seines BIP in nichts aufgelöst haben, heißt es in einer Studie, die am Montag auf einer Tagung zur Krise in Manila vorgestellt wurde. Die Zahlen berücksichtigen den Rückgang der Aktienkurse, den Verlust von Spareinlagen und die Abwertung von Währungen. „Ich fürchte, es wird noch schlimmer, bevor es besser werden wird“, sagte ADB-Präsident Haruhiko Kuroda.

          Auch die Schwellenländer gleiten immer tiefer in die Krise. „Aufgrund des Fortschritts ihrer wirtschaftlichen Entwicklung waren sie anfangs noch in der Lage, den ersten Schock der Krise abzuwehren. Nun aber steigen die Schwierigkeiten für die Schwellenländer. Die Probleme werden in Asien und Lateinamerika sichtbar, noch mehr aber in Osteuropa und Russland, da diese noch abhängiger von Krediten und hohen Exportpreisen waren“, heißt es in der Studie. Wegen starker Verbindungen zwischen der Finanzwelt und der Realwirtschaft rückten in den Schwellenländer die Chancen auf eine schnelle Erholung in weitere Ferne.

          Asien ist besonders betroffen

          Die Wertvernichtung droht auch die Ausgaben der Regierungen und Unternehmen einzuschränken. Asien ist besonders betroffen, weil seine Märkte in den guten Zeiten besonders stark zugelegt hatten. So betrug das Verhältnis von Finanzanlagen zu BIP in Asien 2003 noch 250 Prozent. 2007 war dieses Verhältnis schon auf 370 Prozent gestiegen. In Lateinamerika hingegen liegt es nur bei 30 Prozent. Dort liege deshalb der Verlust bisher mit 2,1 Billionen Dollar auch nur bei 57 Prozent des BIP, rechnet die ADB vor.

          Bild: F.A.Z.

          Der Internationale Währungsfonds schätzt, dass das internationale Handelsvolumen in diesem Jahr erstmals um mindestens 3 Prozent sinken werde; 2006 lag sein Wachstum noch bei 9,4 Prozent. Im vergangenen Vierteljahrhundert betrug die durchschnittliche Wachstumsrate 6 Prozent. Asiens Ausfuhr und diejenige Lateinamerikas ist um durchschnittlich 10 Prozent im Jahr gewachsen. Das hat den Menschen spürbar mehr Wohlstand gebracht, und die Regierungen haben sich weitgehend auf das Wachstum der Außennachfrage verlassen. In den Schwellenländern Asiens lag das Verhältnis zwischen Export und BIP von 2002 bis 2007 bei 55 Prozent. Zum Vergleich: In Lateinamerika lag der Exportanteil bei 21 Prozent.

          Schwächen im Export führen zu wachsender Zukunftsangst

          Die Schwächen im Export führen jetzt aber zu steigender Arbeitslosigkeit und wachsender Zukunftsangst - und treffen zunehmend den Mann auf der Straße. „Die Schwellenländer gleiten nun in die nächste Phase der Krise: Die heimische Nachfrage schwächt sich ab, Konsumenten in vom Export abhängigen Ländern fürchten den Verlust ihrer Arbeitsplätze und vertrauen weniger auf ein Einkommenswachstum. Auch Unternehmen, die vom heimischen Konsum abhängen, schrumpfen“, warnte Manu Bhaskaran, Chefanalyst von Centennial Asia Advisors, auf der Tagung in Manila. Nach der Krise allerdings, da scheinen sich alle Beobachter einig, werde Asien auf den Pfad hoher Wachstumsraten zurückkehren.

          Unterdessen hat die Weltbank am Montag mitgeteilt, dass sie mit dem ersten Rückgang des globalen Wirtschaftswachstums seit Ende des Zweiten Weltkriegs rechnet. Genaue Prognosen gab sie nicht ab. Der Währungsfonds hatte Ende Januar seine Prognose für das Weltwirtschaftswachstum auf ein halbes Prozent gesenkt und eine weitere Korrektur nicht ausgeschlossen. Die Weltbank rechnet damit, dass die globale Industrieproduktion bis Mitte 2009 gegenüber dem Vorjahr um bis zu 15 Prozent sinken könnte.

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