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35 Milliarden Euro für Irlands Banken : Viel Geld und wenig Antworten

Milliardengrab: Warum sie immer mehr für die kranken Banken zahlen sollen, ist den Europäern schwer zu erklären Bild: AFP

Europa will mit bis zu 35 Milliarden Euro die irischen Banken vor dem Kollaps bewahren. Doch viele Fragen sind bisher ungeklärt. Für Politiker wird es schwer zu erklären, warum Steuerzahler immer mehr Milliarden für die Banken berappen sollen.

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          Unscheinbar sieht sie aus, die Zentrale der Anglo Irish Bank in Dublin: Ein ältliches fünfstöckiges Bürogebäude mit braun getönten Scheiben und ein paar kargen Pflanzkübeln aus Beton vor der Tür. Doch Sean Fitz Patrick, der langjährige Chef der Alptraumbank, hat von hier aus mit halsbrecherischen Immobilienkrediten fast im Alleingang den irischen Staat in die Knie gezwungen und damit maßgeblich zur jüngsten Krise der Europäischen Währungsunion beigetragen. Anglo Irish ist das schwarze Loch des maroden irischen Finanzsektors und in Irland zum Symbol des Größenwahns der Banken geworden. Deren Bilanzlöcher sind inzwischen so groß, dass sie das kleine Land aus eigener Kraft nicht mehr stopfen kann und die Hilfe der anderen Euro-Länder braucht.

          Marcus Theurer
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Für das 85 Milliarden Euro schwere Nothilfepaket werden die 4,5 Millionen Iren voraussichtlich noch jahrzehntelang zu zahlen haben. Zumindest der unrühmliche Name soll nun aber ganz schnell verschwinden: Anfang 2011 werden bei Anglo Irish die Firmenschilder abgeschraubt, kündigte der irische Notenbankchef Patrick Honohan diese Woche an. Die verbliebenen Kundeneinlagen von geschätzten 15 Milliarden Euro sollen auf andere irische Institute übertragen werden. Bis Ende Januar wollen die Iren in Abstimmung mit der EU-Kommission in Brüssel einen Plan für die Abwicklung von Anglo Irish ausarbeiten.

          Der todgeweihte Immobilienfinanzierer ist zwar der mit Abstand größte Notfall im irischen Bankensektor, aber bei weitem nicht der einzige. Schon bislang war die irische Regierung davon ausgegangen, dass die Bankenrettung das Land rund 50 Milliarden Euro kosten wird. Nun sind als Teil des Notkredits von EU und Internationalem Währungsfonds weitere 35 Milliarden Euro für die Banken reserviert. Es ist binnen zwei Jahren der vierte Anlauf zur Stabilisierung des irischen Finanzsektors. Die Gesamtkosten des Rettungseinsatzes für die Geldhäuser könnten damit bis zu 85 Milliarden Euro erreichen – mehr als die Hälfte des irischen Bruttoinlandsprodukts. Anglo Irish kostet den Staat bis zu 34 Milliarden Euro.

          Ob die irischen Banken endlich aus dem Schneider sind?

          Die viel größere Allied Irish Banks (AIB) braucht bis Ende Februar ebenfalls noch mal 5,3 Milliarden Euro. Ähnlich wie Anglo Irish wird die Regierung bei der anstehenden Kapitalerhöhung wohl auch die AIB nahezu vollständig übernehmen müssen. Sie soll aber fortgeführt werden. Der Marktführer Bank of Ireland braucht derweil 2,2 Milliarden Euro frisches Kapital. Auch bei diesem Finanzkonzern wird der Staat dadurch voraussichtlich Mehrheitseigner.

          Ob die irischen Banken damit endlich aus dem Schneider sind, ist keineswegs klar. Neben den kurzfristigen Kapitalspritzen ist im Rahmen des Notkredits für Irland ein riesiger Puffer von weiteren 25 Milliarden Euro als „Notfall-Fonds“ für die Banken vorgesehen. Um die Geldhäuser zu stabilisieren, müssen zwei brisante Probleme entschärft werden: die Liquiditätsversorgung und die dürftige Eigenkapitalausstattung. Das gefährlichere Problem war in den vergangenen Wochen die Liquidität. Die Banken waren fast vollständig von der Not-Refinanzierung über die Europäische Zentralbank (EZB) abhängig, weil sie am Interbankenmarkt kaum noch Kredit bekamen.

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