https://www.faz.net/-gqe-2ktf

Konjunktur : Wirtschaftsforscher senken Wachstumsprognose

  • Aktualisiert am

Wirtschaftsforscher zwischen Skepsis und Zuversicht Bild: dpa

Nur noch 2,1 Prozent Wachstum in Deutschland erwarten die führenden Wirtschaftsforscher. Eine Empfehlung der Ökonomen: Zinsen senken.

          2 Min.

          Nun ist es offiziell: Die sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen im Jahr 2001 in Deutschland mit einem Wirtschaftswachstum von nur noch 2,1 Prozent und im kommenden Jahr von 2,2 Prozent. Die Zahlen waren bereits in der vergangenen Woche durchgesickert, aber noch nicht bestätigt worden.

          Gegenüber der Wachstumsprognose der Bundesregierung von 2-3/4 Prozent, die diese im Jahreswirtschaftsbericht 2001 im Januar gab und in den letzten Tagen stets erneuert hat, sehen die Ökonomen die Entwicklung der Konjunktur damit deutlich pessimistischer. Beobachter erwarten, dass nun auch die Bundesregierung nachziehen und ihre optimistisch erscheinende Prognose korrigieren wird.

          Keine Rezession

          “Obwohl die Konjunktur in Deutschland stärker als erwartet an Fahrt verloren hat, halten die Institute an ihrer Einschätzung fest, dass es nicht zu einer ausgeprägten Konjunkturschwäche oder gar zu einer Rezession kommen wird“, schreiben die Experten in ihrem Frühjahrsgutachten. Im Herbst hatten sie für 2001 noch ein Wachstum von 2,7 Prozent prognostiziert.

          Die Binnennachfrage sei durch den Ölpreisschock stärker belastet worden als damals erwartet worden war, heißt es weiter in dem aktuellen Gutachten. Zudem habe sich die Konjunktur in den USA stärker abgekühlt als noch im Herbst des letzten Jahres angenommen. Das habe die Exporterwartungen gedämpft und das Geschäftsklima verschlechtert. Dennoch bleibe die gesamtwirtschaftliche Produktion aufwärts gerichtet.

          Entspannung am Arbeitsmarkt

          In Westdeutschland rechnen die Konjunkturexperten mit einem BIP-Anstieg von jeweils 2,2 Prozent im laufenden wie im kommenden Jahr. In Ostdeutschland gehen sie von einem Wachstum von 1,5 Prozent im Jahr 2001 und von zwei Prozent im Jahr 2002 aus. Die Lage am Arbeitsmarkt wird sich aus Sicht der Wirtschaftswissenschaftler verbessern und der Preisauftrieb im Prognosezeitraum nachlassen. Für das Jahr 2002 sagen die Experten für Deutschland eine Arbeitslosenzahl von 3,470 Millionen und für das Jahr 2001 von 3,695 Millionen voraus.

          Spielraum für Zinssenkung

          Die Verbraucherpreise werden dem Gutachten zufolge im Jahr 2001 gegenüber dem Vorjahr um 2,1 Prozent steigen. Im kommenden Jahr wird der Preisanstieg 1,5 Prozent betragen. Die niedrige Inflationsrate sowie die schwächelnde Konjunktur rechtfertigen nach Ansicht der Experten eine Zinssenkung in Euroland noch in diesem Frühjahr: „Die Institute halten eine Senkung der Leitzinsen um 0,5 Prozentpunkte für gerechtfertigt.“

          Die Wirtschaftsforschungsinstitute präsentieren ihre Prognosen jeweils im Frühjahr und im Herbst. Beteiligt sind das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), das Hamburgische Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA), das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IFW) sowie das Institut für Wirtschaftsforschung (IFO) in München.



          Weitere Themen

          Platz da, Boomer! Video-Seite öffnen

          F.A.Z. Woche : Platz da, Boomer!

          Keine Generation hat in Deutschland so viel Macht wie die der Babyboomer. Doch bald gehen sie in Rente. Wie verändert sich dann unser Arbeitsmarkt?

          Topmeldungen

          Gefeiert wie ein Popstar: Heinz-Christian Strache am Donnerstagabend in Wien.

          Strache-Auftritt in Wien : „Hier steht das Original“

          Heinz-Christian Strache will in Österreich mit einer neuen „Bürgerbewegung“ in die Politik zurückkehren und seiner früheren Partei FPÖ das Leben schwer machen. Doch noch lässt er seine Anhänger zappeln – und vermeidet Festlegungen.

          Überfüllte Kliniken in China : Ein Patient alle drei Minuten

          Überfüllte Kliniken, gewalttätige Angehörige, Arztkosten als Existenzbedrohung, Menschen, die sich selbst ein Bein amputieren – und nun auch noch ein unbekannter Virus: In China sollte man besser nicht krank werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.