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Konjunktur : Wirtschaft in deutlich besserer Stimmung

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Bild: FAZ.NET

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist zum Jahreswechsel so gut wie seit mehr als fünf Jahren nicht mehr. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Dezember von 97,8 auf 99,6 Punkte. Die Aussichten bleiben gut.

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          Zum Jahresende ist die Stimmung in der deutschen Wirtschaft so gut wie seit fünf Jahren nicht mehr. Der Ifo-Geschäftsklimaindex kletterte überraschend stark von 97,8 auf 99,6 Punkte, wie das Münchner Forschungsinstitut am Freitag berichtete.

          Die Situation im Groß- und Einzelhandel habe sich signifikant verbessert, erläuterte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Die rund 7.000 befragten Unternehmen sprachen sowohl von besseren aktuellen Geschäften als auch von hoffnungsvolleren Aussichten für die erste Jahreshälfte 2006. Die Teilindizes der Lage und der Erwartungen kletterten ebenfalls von 97,8 auf 99,6 Punkte.

          Entwicklung auch in der nahen Zukunft positiv

          „Wir sehen die Entwicklung auch für die nahe Zukunft intakt. Die wirtschaftliche Erholung ist verhalten, aber gefestigt“, sagte Ifo-Experte Klaus Abberger. Zur besseren Stimmung hätten das insgesamt ruhige internationale Umfeld mit dem Abflauen der Wirbelsturmsaison in Amerika, die beruhigten Ölpreise und der stabilere Dollar beigetragen.

          Für die kommenden Monate gehe er von einer Wirtschaftsentwicklung in Deutschland aus, die über dem langjährigen durchschnittlichen Wachstum von gut einem Prozent liege. Einen weiteren Zinserhöhungsschritt der EZB lehnt das Ifo nach Abbergers Worten bis auf weiteres ab. „Die EZB hat angedeutet, nicht in einen Zinserhöhungsautomatismus zu fallen. Ich denke, daß das richtig ist“, sagte er.

          Industrie erlebt einen echten Boom

          Die Volkswirte der Commerzbank weisen darauf hin, daß der Sektor Industrie nach wie vor derjenige mit dem besten Geschäftsverlauf ist. Der Ifo-Index reihe sich damit in eine ganze Zahl von Indikatoren ein, die zeigen, daß dieser Sektor derzeit einen echten Boom durchlebt, so die Ökonomen. Die kräftige Weltkonjunktur gekoppelt mit einer spürbaren Verbesserung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit sei die Stütze dieser Entwicklung. Hinzu käme eine sich steigernde Belebung der inländischen Investitionstätigkeit.

          Die Commerzbank kommt zu dem Schluß, die Aussichten für das kommende Jahr seien insgesamt erfreulich. Mit einem arbeitstag bereinigten Wachstum von 1,7 Prozent dürfte die gesamtwirtschaftliche Auslastung erstmals seit sechs Jahren wieder zunehmen.

          „Ein Stück ein Aufschwung von der Bundeskanzlerin“

          Ifo-Konjunkturforscher Abberger sagte jedochr, am Arbeitsmarkt sei trotz moderater Erholung vorerst noch keine Entspannung zu erwarten. „Der Personalabbau scheint sich zu verlangsamen, aber es gibt noch keine Trendwende.“ Immerhin planten die befragten Betriebe weniger Stellenabbau. Für deutliche Verbesserungen am Arbeitsmarkt seien auch mehr Investitionen der Unternehmen nötig, sagte er. Diese hätten zwar zuletzt leicht angezogen, „man würde sich aber mehr wünschen“.

          Die Konjunkturerholung ist nach Einschätzung der Bundesregierung auch ein Verdienst von Kanzlerin Angela Merkel und der großen Koalition. SPD und Union hätten mit ihren Vereinbarungen und ersten Beschlüssen deutlich gemacht, daß sie alles daran setzten, die Stimmung zu verbessern und die Wachstumskräfte zu stärken, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg am Freitag in Berlin. „Insofern ist das ein Aufschwung, der Ausfluß ist der gemeinsamen Verabredungen und wenn sie so wollen, dann ist das auch ... ein Stück ein Aufschwung von der Bundeskanzlerin.“ Die jüngste deutliche Erhöhung des Ifo-Geschäftsklimaindexes wertete das Wirtschaftsministerium als Bestätigung seiner Prognose einer weiteren Wirtschaftserholung. „Wir sehen eine anhaltende Aufwärtsentwicklung“, sagte ein Sprecher.

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