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Konjunktur : Wirtschaft im Wachstumsstau

  • Aktualisiert am

Nur flauer Antrieb für die Wirtschaft Bild: dpa

Die deutsche Wirtschaft ist 2001 so langsam gewachsen wie seit acht Jahren nicht mehr. Auch die Aussichten sind mau.

          2 Min.

          Die deutsche Wirtschaft ist im vergangenen Jahr nach ersten Berechnungen des Statistischen Bundesamtes so langsam gewachsen wie seit acht Jahren nicht mehr. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) hat 2001 zum Vorjahr nur noch real um 0,6 Prozent zugelegt.

          Maßgeblich für das geringe Wirtschaftswachstum verantwortlich waren der Rückgang der Bruttoanlageinvestitionen um 4,1 Prozent. Auch der rückläufige Trend bei den Bauinvestitionen verstärkte sich auf minus 5,7 Prozent. Nicht ausgeglichen werden konnte dies durch den Anstieg der privaten Konsumausgaben um 1,4 Prozent. Die Konsumausgaben des Staates legten um 1,3 Prozent zu.

          Exportmotor stottert

          Die Importe stiegen im vergangenen Jahr um 2,0 Prozent, die Exporte legten 5,1 Prozent zu. Im Vorjahr betrug das Exportwachstum noch 13,2 Prozent.

          Das Statistische Bundesamt wies darauf hin, dass es 2001 zwei Arbeitstage weniger gab als im Jahr zuvor. Ohne diesen Kalendereffekt hätte die BIP-Zuwachsrate real bei 0,8 Prozent gelegen. Die Daten zum vierten Quartal 2001, auf die sich dann die endgültigen Angaben zum BIP stützen, werden erst am 5. März veröffentlicht. Der Präsident des Bundesamts, Johann Hahlen, rechnet mit einer Stagnation.

          Aussichten wurden immer düsterer

          Im Jahr 2000 war das Wirtschaftswachstum in Deutschland um 3,0 Prozent gestiegen. Für 2001 hatten die Forschungsinstitute zu Jahresbeginn über zwei Prozent angepeilt. Im Jahresverlauf hatten sie jedoch - ebenso wie die Regierung - ihre Schätzungen mehrfach nach unten revidiert. Das Bruttoinlandsprodukt, das die Summe aller in Deutschland produzierten Waren und erbrachten Dienstleistungen bezeichnet, gilt als wichtigste Kennziffer für die wirtschaftliche Lage.

          Wachstum 2002 auf ähnlichem Niveau

          Für das laufende Jahr rechnen die Wirtschaftsforschungsinstitute mit einem Wachstum auf ähnlichem Niveau. So prognostiziert das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) einen Anstieg um 0,6 Prozent. Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) rechnet Mitte des Jahres mit einer Konjunkturwende und sieht das Wirtschaftswachstum bei 0,8 Prozent.

          Staatsverschuldung im Blickpunkt

          Das Defizit des Staates lag 2001 bei 53,8 Milliarden Euro. Dies entspricht 2,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Obergrenze nach den Kriterien des Stabilitäts- und Wachstumspakts liegt bei drei Prozent. Presseberichten zufolge droht Finanzminister Hans Eichel ein blauer Brief aus Brüssel. Die EU-Kommission erwäge, eine so genannte Frühwarnung, die Vorstufe einer offiziellen Rüge, an Deutschland zu richten, weil Deutschland Gefahr laufe, die im Maastrichter Vertrag festgelegte Obergrenze zu überschreiten. "Das Finanzministerium geht fest davon aus, den Stabilitäts- und Wachstumspakt auch in diesem Jahr einhalten zu können", betonte ein Sprecher.

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