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Konjunktur : Weiter sinkende Wachstumsprognosen

  • Aktualisiert am

EU-Kommission sieht Deutschland als Schlusslicht Bild: dpa

Im Frühling kommen die Konjunkturberichte. In diesem Jahr bieten sie wenig Erbauliches. Auch EU und IWF haben ihre Wachstumsprognosen gesenkt.

          Kein Frühlingserwachen der Konjunktur. Nachdem schon die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute und die OECD ihre Wachstumsprognosen für Deutschland und die Euro-Zone nach unten korrigiert hatten, zogen nun auch der Internationale Währungsfonds (IWF) sowie die EU-Kommission in ihrem Frühjahrsgutachten nach.

          Am deutlichsten hat dabei der IWF seine Schätzungen revidiert: So geht der Währungsfonds nun nur noch von einem Wirtschaftswachstum in Deutschland von 1,9 Prozent aus und ist somit die erste größere Institution, die ihre Prognose auf unter zwei Prozent gesenkt hat. Im Herbst ging man in Washington noch von einem Plus von 3,3 Prozent aus. Für die Euro-Zone rechnen die IWF-Volkswirte nun mit einem Wachstum von 2,4 Prozent, nachdem sie zuvor 3,4 Prozent erwartet hatten. Weltweit dürfte die Wirtschaft immerhin noch um 3,2 Prozent wachsen nach 4,8 Prozent im vergangenen Jahr.

          Etwas optimistischer als der Währungsfonds zeigt sich die Europäische Kommission. Aufgrund der lahmenden Konjunktur in den USA und Japan geht die EU-Kommission für die zwölf Euro-Länder von einem durchschnittlichen Wachstum von 2,8 Prozent in diesem und 2,9 Prozent im kommenden Jahr aus. Im vergangenen Herbst hatte sie für 2001 noch ein Wachstum in der Euro-Zone von 3,2 Prozent vorausgesagt. Mit einem Wachstum von 2,2 (Herbst: 2,8) Prozent werde Deutschland 2001 das langsamste Wachstum in der Euro-Zone aufweisen. Im kommenden Jahr wird die deutsche Wirtschaft der Prognose zufolge um 2,6 Prozent zulegen. Die Inflation werde nach 2,2 Prozent 2001 im kommenden Jahr voraussichtlich mit 1,8 Prozent „unter das Preisstabilitätsziel der EZB absinken".

          Keine Überraschung

          Damit liegt die Brüsseler Behörde mit ihrer Schätzung im Rahmen der Vorhersagen anderer Institutionen. Die wichtigsten deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute hatten in ihrer Anfang des Monats veröffentlichten Frühjahrsprognose ein Deutschland-Wachstum von 2,1 Prozent in Aussicht gestellt. Für Euroland waren sie von einem Wachstum in Höhe von 2,6 Prozent ausgegangen. Am Freitag will die Bundesregierung ihre Wachstumsprognose den weltwirtschaftlichen Realitäten anpassen. Bislang lautet die offizielle Prognose zweidreiviertel Prozent Wachstum, doch Bundeskanzler Schröder hat am Sonntag angedeutet, dass diese Schätzung deutlich zu optimistisch ist.

          Auch beim Blick auf die andere Seite des Atlantik bietet der aktuelle Kommissionsbericht kaum neue Erkenntnisse. Die seit langem erwartete weiche Landung der US-Wirtschaft werde weniger sanft ausfallen als angenommen. Im laufenden Jahr werde die US-Wirtschaft nach den Erwartungen Brüsseler Volkswirte nur noch um 1,6 Prozent wachsen - im Herbst hatte die Behörde noch mit 3,3 Prozent gerechnet. „Der Wachstumsmotor der US-Wirtschaft stottert“, lautet die Diagnose. Das schwindende Vertrauen könne möglicherweise „nicht nur eine begrenzte Wachstumspause in der EU auslösen".

          Dies dürfte sich vor allem im ersten Halbjahr 2001 bemerkbar machen, so die EU-Kommission. Danach sei aber mit einer Beschleunigung zu rechnen, die 2002 zu einem Wachstum von 2,9 Prozent führen könne. Für die Arbeitslosenzahlen rechnet die EU-Kommission im laufenden Jahr mit einer Quote von 8,5 Prozent im Euro-Gebiet, die 2002 auf 7,9 Prozent sinken werde. In Deutschland werde die Arbeitslosenquote von 7,8 Prozent im Jahr 2001 auf 7,1 Prozent im kommenden Jahr sinken.

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