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Konjunktur : Unternehmensinsolvenzen nehmen weiter ab

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Bild: dpa

Das Statistische Bundesamt rechnet in diesem Jahr mit einem leichten Rückgang der Firmenpleiten und einem weiterhin drastischen Zuwachs bei Privatinsolvenzen. Die Forderungen der Gläubiger belaufen sich auf rund 28 Milliarden Euro.

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          Das Statistische Bundesamt rechnet in diesem Jahr mit einem leichten Rückgang der Firmenpleiten und einem weiterhin drastischen Zuwachs bei Privatinsolvenzen. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen werde für das Gesamtjahr 2005 auf 37.500 (minus vier Prozent) geschätzt, teilten die Statistiker am Freitag in Wiesbaden mit. Hingegen werde die Zahl der Verbraucher, die wegen Überschuldung Insolvenz anmelden, voraussichtlich um mehr als 40 Prozent auf rund 70.000 zulegen.

          Gründe hierfür sind die wachsende Bekanntheit dieser Entschuldungsmöglichkeit, aber auch die hohe Arbeitslosigkeit und die immer aggressivere Werbung für Kreditangebote.

          Forderungen der Gläubiger von 28 Milliarden Euro

          Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform hatte in dieser Woche eine ähnliche Prognose wie das Statistische Bundesamt vorgelegt. Den Rekord hatten die Firmenpleiten 2003 mit knapp 40.000 erreicht. Die seit Jahresbeginn zu beobachtende rückläufige Entwicklung hielt auch im September 2005 an. Die Verbraucherinsolvenzen dagegen steigen seit der Gesetzesänderung 2001, die die Hürden für die Schuldenbefreiung senkte, rapide an.

          In den ersten neun Monaten 2005 wurden 28.254 Unternehmenspleiten registriert, was einem Rückgang um fünf Prozent entsprach. Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen nahm im gleichen Zeitraum um 40 Prozent auf 48.916 zu. Die Forderungen der Gläubiger beliefen sich auf insgesamt 28,0 Milliarden Euro. Davon betrafen etwa zwei Drittel Unternehmen. Von den Insolvenzverfahren, die in vielen Fällen zu einer Sanierung führen, waren 135.564 Beschäftigte betroffen.

          Auf Grund der bisherigen Entwicklung rechnet das Statistische Bundesamt für das gesamte Jahr 2005 mit 37.500 Unternehmensinsolvenzen und knapp 70.000 Verbraucherinsolvenzen.

          Bevor es zu einer Privatinsolvenz kommt, muß der Schuldner versuchen, sich mit seinen Gläubigern außergerichtlich - zum Beispiel auf eine Ratenzahlung - zu einigen. Gelingt dies nicht, kann er beim Amtsgericht den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens stellen. Während einer sechs Jahre dauernden „Wohlverhaltensphase“ wird ein Teil des Gehalts gepfändet, Erbschaften müssen zur Hälfte abgegeben werden. Nach Ablauf dieses Zeitraums erläßt das Gericht die Restschulden.

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