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Konjunktur : Stagnation statt Rezession

  • -Aktualisiert am

Konjunktur im Stillstand Bild: dpa

Optimisten glauben an eine wirtschaftliche Erholung in den nächsten Monaten. Doch es gibt viele Unsicherheitsfaktoren. Eine Analyse.

          Sinkende Exporte, steigende Arbeitslose, ausbleibendes Wachstum - die Schreckensmeldungen häufen sich. Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht eine Konjunkturprognose für Deutschland nach unten revidiert wird. Ist man Anfang des Jahres noch von einem Wirtschaftswachstum von fast drei Prozent in 2001 ausgegangen, so halten manche Institute derzeit gerade mal ein Plus von einem Prozent für realistisch. Das Wort Rezession liegt in der Luft. Noch wehrt sich nicht nur Bundeskanzler Schröder gegen seine Verwendung.

          Landauf, landab wird das gleiche Lied gesungen: „Wachstumsdelle, aber keine Rezession.“ Ob EZB-Präsident Wim Duisenberg, der unlängst betonte, „wir sind nicht in einer Rezession und sind davon überzeugt, dass wir nicht in eine Rezession kommen werden“ oder der Chef des Münchner ifo Instituts, Hans-Werner Sinn: „Mit einer echten Rezession, also einem negativen Wachstum über mehrer Quartale, rechnen wir nicht“, der Tenor heißt immer Mutmachen. Schließlich weit nicht nur der Bundeskanzler, dass die Psychologie eine wichtige Rolle für die Wirtschaft spielt.

          Doch wird die gebetsmühlenartig vorgetragene Beschwörung ausreichen, eine Rezession zu verhindern? Gerade nach den Erfahrungen der vergangenen Monate müssten die Auguren wissen, dass ihre Vorhersagen eine äußerst begrenzte Halbwertszeit haben. Eine ganze Reihe von weltweiten Unsicherheitsfaktoren machen die Prognosetätigkeit zum Stochern im Nebel.

          Viele Unsicherheitsfaktoren

          Mit einem großen Fragezeichen behaftet ist die amerikanische Wirtschaft. Kommt es noch in diesem Jahr zu einer Erholung oder dauert der Konjunkturknick doch länger? Sämtliche Experten tun sich schwer mit Prognosen, denn es gibt sowohl Zeichen für eine längeranhaltende Schwächephase als auch für erste Erholungstendenzen (siehe Links). Symptomatisch für die Unsicherheit ist die Rede von Notenbankchef Alan Greenspan in der vergangenen Woche vor dem amerikanischen Kongress, in der er einerseits feststellte:„Ich denke, es gibt Anzeichen dafür, dass sich das Konjunkturtal herauszubilden beginnt“, aber andererseits wieder einschränkte: „Ich denke, wir sind noch nicht außer Gefahr. Es besteht nach wie vor das Risiko, dass sich manche Faktoren ausgesprochen ungünstig entwickeln.“

          Zu diesen Faktoren dürfte etwa die Arbeitslosenquote zählen, die nach Einschätzung von Lawrence Lindsey, Wirtschaftberater von Präsident Bush, schon in diesem Sommer auf fünf Prozent klettern könnte. Das wiederum könnte sich nachteilig auf das Verbrauchervertrauen auswirken, denn je unsicherer die Arbeitsmarktsituation in Amerika, desto weniger Vertrauen haben die Konsumenten - und entsprechend weniger bereitwillig werden sie ihr Geld ausgeben. Bereits jetzt ist die Sparquote schon leicht gestiegen, der Konsum ist jedoch für etwa zwei Drittel der amerikanischen Wirtschaftsleistung verantwortlich.

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