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Konjunktur : Regierung erwartet nur noch 1 Prozent Wachstum

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Das Wirtschaftsministerium senkt seine Prognose für 2012 um rund einen Prozentpunkt. Auch die Unternehmen blicken laut einer DIHK-Studie pessimistischer in die Zukunft.

          Die Bundesregierung erwartet, dass die deutsche Wirtschaft im nächsten Jahr nur noch um 1 Prozent wachsen wird. Dieses Jahr werde das Bruttoinlandsprodukt dagegen noch um 2,9 Prozent zulegen, hieß es am Mittwoch aus Regierungskreisen. An diesem Donnerstag wird Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) die Prognose offiziell vorstellen. Sie ist von Bedeutung, weil sie als Basis für die Steuerschätzung dient und damit für die weitere Finanzplanung.

          Im Frühjahr war die Regierung für 2011 von nur 2,6 Prozent Wachstum ausgegangen. Dagegen hatte sie das Wachstum im kommenden Jahr mit 1,8 Prozent noch positiver eingeschätzt als jetzt. Mit ihrer aktuellen Vorhersage bleibt sie leicht über der Prognose der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute, die für 2012 mit einem Plus von 0,9 Prozent rechnen; für dieses Jahr erwarten die Institute ebenfalls 2,9 Prozent.

          Auch die Wirtschaft rechnet mit schwächerer Entwicklung

          Auch die Wirtschaft selbst geht von einer schwächeren Entwicklung aus. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) rechnet für 2012 ebenfalls nur noch mit 1 Prozent Wachstum. Das geht aus der Herbstumfrage des Verbands unter rund 28000 Unternehmen hervor, die Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben am Mittwoch in Berlin vorgestellt hat. Dieses Jahr soll das Bruttoinlandsprodukt dagegen noch um 3 Prozent zulegen.

          Arbeitslosenzahl soll trotzdem sinken

          Der Verband erwartet, dass die Zahl der Arbeitslosen trotz des langsameren Wachstums auch 2012 sinken wird; um 150000 auf 2,8 Millionen. „Inzwischen ist mehr als jeder zweite Deutsche erwerbstätig, das gab es noch nie.“ Risiken allerdings sehen die Betriebe durchaus. Die deutsche Wirtschaft sei nicht immun gegen eine weltweite Vertrauenskrise, sagte Wansleben. „Die Wirtschaftspolitik wird zunehmend zu einem konjunkturellen Risikofaktor.“

          Im Frühsommer stellten aus Sicht der Unternehmen noch die Energie- und Rohstoffpreise die größte Gefahr für die Entwicklung dar. Das sehen sie nun zwar immer noch so. Der Abstand zum Risikofaktor Wirtschaftspolitik aber ist kräftig zusammengeschrumpft. 45 Prozent der Unternehmen hielten die Wirtschaftspolitik inzwischen für einen Risikofaktor, sagte Wansleben.

          Zahl der pessimistischen Unternehmen steigt

          Diese Verunsicherung der Betriebe zeigt sich in den Zahlen: Während die Unternehmen - allen voran Binnenbranchen wie Bauwirtschaft und Konsumbranchen - ihre derzeitige wirtschaftliche Lage genauso optimistisch bewerten wie im Frühjahr, mehren sich die Stimmen derer, die für die nähere Zukunft schlechtere Geschäfte erwarten. Statt 9 Prozent fallen nun 16 Prozent in dieses Lager der Pessimisten. Auch die Exporterwartungen haben sich stark verschlechtert. „Die Erinnerungen an die Auftragseinbrüche während der Krise 2008 und 2009 mahnen zur Vorsicht“, sagte Wansleben. Anlass für einen „Abgesang auf die Exportwirtschaft“ bestehe aber nicht. Die deutsche Wirtschaft sei nicht von einzelnen, kriselnden Märkten - wie Amerika oder dem Euroraum - abhängig. An ihren Investitions- und Beschäftigungsplänen halten die Unternehmen fast unverändert fest.

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