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Konjunktur : Komma eins, Komma vier, Komma sieben?

  • Aktualisiert am

Konjunkturprognose 2001: Fast alle Auguren treten auf die Bremse Bild: AP

Nur über die zwei vor dem Komma herrscht kein Streit. Die erwartete Wachstumsprognose der Wirtschaftsinstitute spaltet die Nation.

          2 Min.

          Anfang April - Zeit für das viel beachtete Frühjahrsgutachten der sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute. Ein Urteil über Wohl und Wehe deutschen Wirtschaft. Am Dienstag ist es wieder fällig. Von 2,7 Prozent Wachstum für 2001 gingen die Experten bisher aus - jetzt wird die Prognose deutlich abgesenkt. Wahrscheinlich bis auf 2,1 Prozent.

          Zu sehr schlägt die Schwäche der US-Konjunktur auf die Stimmung. Seit Frühsommer 2000 signalisiert der Geschäftsklima-Index des Münchener ifo-Instituts einen stetigen Abschwung. Schon im Februar hatte daraufhin das Institut, eines der großen Sechs, seine Wachstumsprognose von 2,5 auf 2,4 Prozent nach unten revidiert.

          Ifo-Chef Hans-Werner Sinn hat jetzt betont, die tatsächliche Rate könnte auch darunter liegen. Nach Informationen der „FTD“ soll die revidierte Prognose 2,1 Prozent betragen. Für 2002 würden auch nur noch 2,2 Prozent Wachstum erwartet. Vergangenes Jahr war das Bruttoinlandsprodukt noch um real drei Prozent gewachsen.

          Schröder bleibt bei 2,75 Prozent

          Bundeskanzler Schröder reagiert trotzig: Die Gutachter hätten sich schon oft geirrt, sagte er am Wochenende, und bekräftigte die Wachstumsprognose der Regierung von rund 2,75 Prozent. Gegenüber dem „Tagesspiegel“ sagte Schöder, die immer weitere Reduzierung von Prognosen um 0,1 oder 0,2 Prozentpunkte verwirre die Menschen und „trägt nicht dazu bei, die objektiv vorhandenen Wachstumskräfte zu stärken. Wenn man sich die harten Fakten anschaut, gibt es dazu auch keinen Grund.“

          Bayerns Ministerpräsident Stoiber warf daraufhin dem Kanzler vor, die Fakten nicht zur Kenntnis nehmen zu wollen. Er glaube, er könne mit Gesundbeten die Anzeichen für ein schwächeres Wirtschaftswachstum wegdrücken. Um die Konjunktur zu beleben, müsse umgehend die Steuerreform vorgezogen werden, um Investitionen und Beschäftigung zu stärken. Nach den Plänen der Bundesregierung sinkt der Spitzensteuersatz bei der Einkommensteuer im Jahr 2005 auf 42 von derzeit 48,5 Prozent.

          Schärfere Töne an der Tariffront

          Auch unter den Tarifparteien sorgt die Konjunkturdiskussion am Wochendende für neuen Zündstoff. DIHT-Präsident Ludwig Georg Braun fordert angesichts der Abkühlung Null-Runden bei Löhnen und Gehältern: „Im Interesse des Wettbewerbs und der Arbeitslosen wäre es auf absehbare Zeit richtig, die Lohnkosten beim derzeitigen Stand einzufrieren“, sagte er der „Berliner Zeitung“.

          DGB-Chef Schulte konterte dagegen in der „Bild“-Zeitung: „Die nächste Tarifrunde wird heiß, da bin ich mir sicher.“ Die Wirtschaftsentwicklung sei nicht so schlecht, wie die Arbeitgeber es im Moment darstellten. Die Unternehmen schrieben seit Jahren hohe Gewinne. Es sei das gute Recht der Arbeitnehmer, ihren Anteil an den Gewinnen zu verlangen und zu bekommen.

          Die Fronten sind also geklärt. Auch die endgültige Ziffer hinter dem Komma wird daran nichts ändern.

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