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Konjunktur : Japans Industrie optimistisch wie lange nicht

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Das Geschäftsklima in großen japanischen Industrieunternehmen hat sich zum Jahresende überraschend deutlich aufgehellt. Das geht aus dem Tankan-Bericht der Bank of Japan hervor.

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          Die japanische Großindustrie schätzt dank steigender Exporte ihre Geschäftslage so optimistisch ein wie seit sechseinhalb Jahren nicht mehr. Wie aus der am Freitag vorgelegten Quartalsumfrage der japanischen Zentralbank weiter hervorgeht, stieg der darin ermittelte Stimmungsindex für die großen Produktionsunternehmen überraschend deutlich auf plus 11 nach plus 1 im September.

          Ein positiver Index bedeutet, daß es mehr Optimisten als Pessimisten gibt. Um der im Zuge des Weltwirtschaftswachstums erhöhten Nachfrage nach japanischen Autos, DVD-Geräten und Mobiltelefonen nachzukommen, wollen Nippons Industrieunternehmen ihre Investitionen aufstocken.

          Die klein- und mittelständischen Betriebe, die die Mehrheit der befragten Unternehmen stellen und einen Großteil der Arbeitnehmer beschäftigen, sind allerdings weiterhin pessimistisch. Während einige Experten das Umfrageergebnis als eine weitere Bestätigung für eine Erholung der zweitgrößten Volkswirtschaft ansehen, weisen andere darauf hin, daß die Erholung sich auf die Exportindustrie beschränke und noch nicht die auf den Binnenkonsum angewiesenen Firmen erreiche.

          Privatkonsum hemmt Wachstum

          Der Privatkonsum, der zu über der Hälfte zur Wirtschaftsleistung des Landes beiträgt, wird durch die gespannte Lage am Arbeitsmarkt gedämpft und war im 3. Quartal um 0,1 Prozent gesunken. Als Folge mußte die Regierung das Wirtschaftswachstum für diesen Zeitraum auf 0,3 Prozent nach zuvor geschätzten 0,6 Prozent nach unten revidieren.

          Japans Exporteure profitieren dagegen vom beschleunigten Wirtschaftswachstum in Amerika und China, wo sie fast zwei Fünftel ihrer Ausfuhren absetzen. Vor diesem Hintergrund wollen Nippons große Produktionsunternehmen im noch bis März 2004 laufenden Geschäftsjahr die Investitionen um 11,1 Prozent aufstocken. Doch bleiben auch sie vorsichtig: Sie rechnen damit, daß ihr Stimmungsindex im nächsten Quartalsbericht der Notenbank auf plus 8 absinken wird. Hintergrund ist die Festigung des Yen zum Dollar auf das höchste Niveau seit drei Jahren, was die hauptsächlich noch vom Export getragene Erholung laut Ökonomen zu gefährden droht. Hinzu kämen die weiter andauernden Umstrukturierungen der Firmen, um ihre Überkapazitäten abzubauen.

          Index nur bei 6 statt 11 erwartet

          Analysten hatten im Durchschnitt der Prognosen diesmal lediglich mit einem Index von plus sechs für die Großindustrie gerechnet. Im September hatten die Optimisten unter den Produktionsunternehmen erstmals seit drei Jahren die Pessimisten zahlenmäßig übertroffen. Mit der jüngsten Quartalsumfrage hellte sich das Klima in den japanischen Manageretagen nun zum dritten Mal in Folge auf. Gestützt durch das überraschend gute Umfrageergebnis der Zentralbank stieg an der Aktienbörse der Nikkei-Index für 225 Standardwerte um 94,52 Punkte oder 0,94 Prozent und ging mit 10 169,66 Punkten ins Wochenende.

          Die Zahl der Unternehmenszusammenbrüche ging im November um 20,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat auf 1136 Fälle und damit im nunmehr elften Monat in Folge zurück, wie die Kreditforschungsagentur Teikoku Databank am Freitag mitteilte. Die von den betroffenen Unternehmen hinterlassenen Verbindlichkeiten stiegen allerdings um 75,2 Prozent auf gut eine Billion Yen (acht Milliarden Euro) an.

          Der alle drei Monate von der Bank von Japan (BoJ) erstellte Tankan-Bericht zum Geschäftsklima ist eine umfassende Mischung aus Konjunkturanalyse und Stimmungsbericht.

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