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Konjunktur : In Amerika finden Schwarze viel schwerer eine Arbeit als Weiße

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Die Konjunkturflaute in den Vereinigten Staaten hat nicht zuletzt die Hoffnungen vieler schwarzer Amerikaner auf eine dauerhafte Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse gedämpft. Die Arbeitslosenquote ist mehr als doppelt so hoch.

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          Die Konjunkturflaute in den Vereinigten Staaten hat nicht zuletzt die Hoffnungen vieler schwarzer Amerikaner auf eine dauerhafte Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse gedämpft. Wie aus den jüngsten Arbeitsmarktstatistiken hervorgeht, sind Schwarze sogar noch ein wenig stärker vom Stellenabbau der vergangenen Monate betroffen gewesen als ihre weißen Kollegen: 11,8 Prozent aller erwerbsfähigen Schwarzen im Alter von mindestens 16 Jahren sind derzeit arbeitslos gemeldet. Im Jahr 2000, auf dem Höhepunkt des langen Wirtschaftsbooms, war die Quote einmal auf 7 Prozent gesunken. Das entspricht einem Anstieg von 68 Prozent.

          Im selben Zeitraum stieg die Arbeitslosenquote unter weißen Amerikanern (ohne Hispanier) von 3,4 auf 5,5 Prozent, ein Plus von knapp 62 Prozent. Insgesamt beträgt die Arbeitslosenquote in den Vereinigten Staaten derzeit 6,4 Prozent; das ist das höchste Niveau seit neun Jahren. Im April 2000 hatte die Arbeitslosenquote mit 3,8 Prozent ihr bisher niedrigstes Niveau erreicht.

          Stellenabbau im Verarbeitenden Gewerbe

          Zu den wichtigsten Ursachen der aktuellen Entwicklung zählt die Misere im Verarbeitenden Gewerbe. Dort sind in den vergangenen drei Jahren rund 2,6 Millionen Stellen gestrichen worden. In Unternehmen dieses Wirtschaftszweigs aber hatten während des langen Aufschwungs der neunziger Jahre viele Amerikaner, darunter auch viele Schwarze, eine vielfach ordentlich bezahlte Arbeit gefunden. Die zwischenzeitliche Knappheit an verfügbaren Arbeitskräften führte zu spürbaren Lohnsteigerungen. Der wöchentliche Durchschnittslohn im Verarbeitenden Gewerbe liegt nach wie vor mit rund 635 Dollar noch deutlich über dem der gesamten amerikanischen Industrie mit 522 Dollar.

          Der Wirtschaftsaufschwung in den neunziger Jahren trug erheblich dazu bei, daß der Anteil der Schwarzen in Amerika, die in Armut leben, von mehr als 30 Prozent auf knapp 20 Prozent sank. Nach Angaben des Amtes für Bevölkerungsstatistik in Washington hat sich der Anteil während der Wirtschaftsschwäche der vergangenen zweieinhalb Jahre wieder auf 23 Prozent erhöht. Zur Zeit gelten rund 12 Prozent der amerikanischen Bevölkerung als arm. Die Armutsgrenze liegt für eine vierköpfige Familie (zwei Erwachsene, zwei minderjährige Kinder) im Moment bei einem Jahreseinkommen von 18 244 Dollar. Den Schwarzen ist es trotz des wirtschaftlichen Erfolgs während des Booms aber nicht gelungen, die Einkommenslücke zu den Weißen nennenswert zu verringern.

          Einkommenslücke bleibt groß

          Das Durchschnittseinkommen einer schwarzen Familie stieg von 63,4 Prozent des Einkommens einer weißen Familie im Jahr 1991 auf knapp 65 Prozent im Jahr 2001. Der jüngsten Erhebung des Statistikamtes zufolge verfügten 33 Prozent aller schwarzen Familien im Jahr 2001 über ein Jahreseinkommen von mehr als 50 000 Dollar. Unter den weißen Familien lag der Anteil bei 57 Prozent. Noch größer klafft die Lücke bei Einkommen von 75 000 Dollar oder mehr: 33 Prozent aller weißen Haushalte, aber nur 16 Prozent der schwarzen Familien können auf ein Einkommen in dieser Höhe zurückgreifen.

          Ein Teil der Einkommenslücke erklärt sich nach Einschätzung von Ökonomen mit der vielfach schlechteren Ausbildung der Schwarzen. Nur 79 Prozent von ihnen haben einen High-School-Abschluß, bei den Weißen sind es 89 Prozent. Und während 29 Prozent der Weißen einen Bachelor- oder darüber hinaus gehenden Bildungsabschluß aufweisen, sind es unter den Schwarzen in Amerika lediglich rund 17 Prozent.

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