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Konjunktur : Die deutsche Wirtschaft bleibt optimistisch

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Die Elektroindustrie erwartet ein neues Rekordjahr Bild: ZB

Ökonomen machen sich zwar immer mehr Sorgen und rechnen mit einem Abschwung, doch viele Unternehmer bleiben bislang erstaunlich optimistisch. Vor allem die Elektroindustrie geht hoffnungsvoll ins neue Jahr.

          Die deutsche Wirtschaft mag sich der allgemeinen Krisenstimmung nach wie vor nicht anschließen. So geht die deutsche Elektroindustrie, mit 180 Milliarden Euro Umsatz und 845 000 Beschäftigten eine der größten Branchen in Deutschland, voller Optimismus in das Jahr 2012. "Wir haben ein hervorragendes Geschäftsjahr mit 8 Prozent Umsatzwachstum hinter uns und ein Rekordjahr vor uns", fasste Klaus Mittelbach, Vorsitzender der Geschäftsführung des Branchenverbandes ZVEI, die Lage zusammen. Selbst ein Stagnieren auf dem derzeitigen Niveau der Auftragseingänge bedeute für 2012 ein Wachstum von 2 bis 3 Prozent. Nach einer Umfrage von Mitte November gehen aber mehr als die Hälfte der Unternehmen der Branche davon aus, im kommenden Jahr um mehr als 5 Prozent zu wachsen.

          Der Verband erwartet, in 2012 bei 5 Prozent Branchenwachstum einen neuen Umsatzrekord von fast 190 Milliarden Euro erzielen zu können. Dabei unterstelle man ein Wachsen der Weltwirtschaft um 4 Prozent und positive Entwicklungen in den wichtigen Kundengruppen Automobil- und Maschinenbau. "Das Jahr 2011 ist für die deutschen Unternehmen auf internationalem Parkett äußerst erfolgreich verlaufen", sagte auch der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Hans-Heinrich Driftmann, der F.A.Z. "Wir erwarten einen Rekordexport. Bei der Warenausfuhr knacken die deutschen Betriebe erstmals die Billionengrenze."

          Die monatliche Einkaufsmanagerumfrage des Instituts Markit zeigt, dass die deutsche Privatwirtschaft wegen besserer Geschäfte im Dienstleistungssektor im Dezember leicht gewachsen ist. Der Index für die Gesamtwirtschaft stieg von 49,4 auf 51,3 Punkte und lag damit wieder knapp über der Wachstumsschwelle. So kennen manche Unternehmer die Krise bisher nur aus dem Fernseher oder der Zeitung; Ökonomen hingegen machen sich immer mehr Sorgen. So hat sich das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) in die Gruppe der Institute eingereiht, die für 2012 eine deutliche Abschwächung auch der deutschen Konjunktur vorhersagen. "Deutschland wird sich von der Verschlechterung der internationalen Konjunktur nicht abkoppeln können", schreiben die Ökonomen in ihrer Prognose und verweisen vor allem auf die Schulden- und Vertrauenskrise im Euroraum. Für 2012 erwarten sie nur noch ein Wachstum von 0,3 Prozent. Danach halten aber auch sie schon wieder eine Belebung für wahrscheinlich, wenn auch nur in Form von 1,6 Prozent Wachstum für 2013. Das ist bislang der schwächste Wert eines größeren Forschungsinstituts. Die Bundesbank ist etwas optimistischer und glaubt an eine stärkere Rückkehr des Wachstums, so dass 2013 immerhin 1,8 Prozent Zuwachs möglich sein sollten. Für dieses Jahr gehen inzwischen fast alle Institute von 3 Prozent Wachstum aus.

          EZB sorgt sich vor Kreditklemme

          Damit ist Deutschland die Ausnahme in Europa. Die Europäische Zentralbank (EZB) rechnet für das Winterhalbjahr im Euroraum mit einer "milden Rezession". Diese Einschätzung wird vor allem durch die südeuropäischen Länder hervorgerufen, die sich überwiegend in einer Rezession befinden. Der Präsident der EZB, Mario Draghi, fürchtet vor allem um die Finanzierung der Unternehmen. Weil die Banken Risiken scheuten, sehe er eine geringere Bereitschaft zur Kreditvergabe an die reale Wirtschaft, sagte Draghi am Donnerstag in Berlin.

          Für den gesamten Euroraum sieht auch die Einkaufsmanagerumfrage düster aus. Hans-Heinrich Driftmann warnte zudem, der so wichtige Export stoße immer mehr auf Hemmnisse. Der DIHK-Präsident verwies dabei auf den aktuellen Außenwirtschaftsreport seines Verbands, der dieser Zeitung vorliegt. "Den Exporteuren werden durch zahlreiche bürokratische Regelungen Steine in den Weg gelegt." Besonders kritisch sieht die Exportwirtschaft, dass Brüssel die Regeln für Ursprungszeugnisse ändern will. Dadurch seien Kosten in dreistelliger Millionenhöhe zu befürchten. (Inflationsrate wird sinken, Seite 13; Elektroindustrie mit Umsatzrekord, Seite 15)

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