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Konjunktur : Deutschland steht vor höherer Inflation

Jens Weidmann: „Als Präsident der Deutschen Bundesbank trete ich auch gegen Widerstände unverrückbar für Geldwertstabilität ein“ Bild: DAPD

Bundesbankpräsident Jens Weidmann beteuert: „Die Inflationsentwicklung wird in Deutschland nicht aus dem Ruder laufen.“ Doch der Druck auf die Bundesbank steigt, je mehr sich die Schuldenkrise durch das Euro-System frisst.

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          In den dreizehn Jahren der Währungsunion lag die deutsche Inflationsrate fast immer unter dem Durchschnitt der anderen Länder. Dadurch waren die Realzinsen hierzulande höher als in der Peripherie - mit der Folge, dass sich die Länder der südeuropäischen Peripherie wegen des billigen Geldes mehr Konsum und mehr Investitionen leisteten, bis sich Blasen bildeten, die dann schmerzhaft geplatzt sind.

          Weidmann versucht zu beschwichtigen

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Bald aber soll alles anders sein: Deutschland, der bisherige Musterschüler, werde künftig überdurchschnittlich steigende Preise erleben. In nüchterner Ökonomensprache hat das der Chefvolkswirt der Bundesbank, Jens Ulbrich, vor dem Finanzausschuss des Bundestages erklärt. Wenn die Süd-Länder ihre Wettbewerbsfähigkeit wiedererlangen wollen, müssen Löhne und Preise dort relativ zu Deutschland schwächer steigen. Daraus folgt logisch, dass Deutschland über dem Inflationsdurchschnitt liege - so die positive ökonomische Analyse von Ulbrich, der Volkswirte zustimmen.

          Die englische Finanzpresse und der deutsche Boulevard verdrehten ihm aber die Worte. Sie konstruierten die Meldung, die Bundesbank wolle künftig mehr Inflation akzeptieren. „Inflationsalarm! Bundesbank weicht den Euro auf“, schrieb „Bild“. Die Währungshüter in der Frankfurter Wilhelm-Epstein-Straße sehen sich seither genötigt, mit Erklärungen die Debatte einzudämmen. „Als Präsident der Deutschen Bundesbank trete ich auch gegen Widerstände unverrückbar für Geldwertstabilität ein“, beteuerte Bundesbankpräsident Jens Weidmann. Und: „Die Inflationsentwicklung wird in Deutschland nicht aus dem Ruder laufen.“ Die meisten Fachleute glauben dem ehemaligen Wirtschaftsberater der Kanzlerin, dass er sich redlich bemüht.

          Völlig ohne Einfluss?

          Doch der Druck auf die Bundesbank steigt, je mehr sich die Schuldenkrise durch das Euro-System frisst. Und sie hat im Konzert der Euro-Notenbanken nur eine Stimme, wenn auch eine besondere. „Die Bundesbank ist mittlerweile geldpolitisch völlig ohne Einfluss“, sagt ketzerisch Stefan Kooths, Volkswirt am Institut für Weltwirtschaft (IfW). „Die Gruppe der stabilitätsorientierten Euro-Notenbanken ist derzeit kleiner als die Gruppe derjenigen, die sagen: Lasst uns die Probleme mit viel billigem Geld und etwas mehr Inflation überdecken.“ Für Kooths wie für einige andere Beobachter gibt es eine reale Gefahr, dass starke Kräfte als letzten und einzigen Ausweg aus der Schuldenkrise eine höhere Inflation sehen.

          Durch die Geldentwertung würden die realen Lasten aller Schuldner gesenkt und die Kosten auf alle Gläubiger, Geldbesitzer und Bezieher fixer Einkommen verteilt. Der für seine Studien zu Schuldenkrisen gerühmte frühere IWF-Chefökonom Kenneth Rogoff erwartet, dass die Staaten nur mit einer Inflation von 6 Prozent noch in der Lage seien, von ihren Schuldenbergen herunterzukommen. Neokeynesianische Ökonomen meinen sogar, dass höhere Inflation Vorteile hätte. Die Notenbanken sollten mehr Spielraum haben. Das wäre eine Abkehr vom bisherigen Konzept, wonach die beste Politik von Notenbanken für Wachstum und Beschäftigung in einer strikten Stabilitätsorientierung besteht. Einen Tabubruch hat der Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds, Olivier Blanchard, vor gut zwei Jahren begangen, als er öffentlich darüber sinnierte, ob nicht ein neues Inflationsziel von 4 Prozent besser wäre? Damit ließen sich in großen Krisen die realen Leitzinsen weit in den negativen Bereich senken, dies könnte der Wirtschaft einen gewaltigen Schub geben.

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