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Konjunktur : Bilanzskandale als Gefahr für den Aufschwung

  • Aktualisiert am

Mehr Sorgenfalten als sonst bei Alan Greenspan? Bild: dpa

Ermutigende Worte hatten sich die Börsen von einer Rede Greenspans erhofft. Stattdessen sprach der Notenbankchef das ungeliebte Thema Bilanzen an.

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          Viel hatten sich die Börsen von der Rede Alan Greenspans erhofft. Der Notenbankchef sollte bei seinem Auftritt vor dem Bankenausschuss des US-Senats die gesunde Verfassung der amerikanischen Konjunktur unterstreichen und die jüngsten Kursrutsche als übertriebenen Pessimismus geißeln, so die Vorstellung.

          Doch der greise Notenbankpräsident hielt sich nicht so richtig an die Regieanweisungen. Zwar bestätigte Greenspan, dass die amerikanische Konjunktur an Fahrt gewinnt, allerdings warnte er, dass weitere Bilanzskandale die Erholung ernsthaft gefährden könnten. Folge der „jüngsten Schwierigkeiten“ sei, dass viele Firmen wohl noch eine Weile mit ihren Neuinvestitionen zögerten. Da die Investoren derzeit nichts so sehr befürchten wie einen weiteren Vertrauensverlust aufgrund von gefälschten Geschäftsberichten, trugen die mahnenden Worte Greenspans nicht dazu bei, die Stimmung an der Börse zu heben. Im Gegenteil, kurz nach der Rede sackten die Kurse an der Wall Street weiter ab.

          Robustes Wachstum, niedrige Inflationsrate

          Dabei gab der Notenbankchef durchaus Anlass zu Hoffnung. Schließlich revidierte er die Wachstumsprognose der Federal Reserve für dieses Jahr auf 3,5 bis 3,75 Prozent. Zuvor waren die Währungshüter von einem BIP-Plus von 2,5 bis drei Prozent ausgegangen. „Die Grundlagen für eine Rückkehr zu einem anhaltenden gesunden Wachstum sind gegeben. Sämtliche Indizien, die wir in den vergangenen Wochen haben sammeln können, signalisieren, dass sich die Wirtschaft erholt." Das hatte Greenspan aber auch schon bei vorangegangenen Auftritten ähnlich formuliert.

          „Greenspan bleibt bei seiner Story eines robusten Wachstums bei niedrigen Inflationsraten“, meinte Ian Shepherdson, Chef-Volkswirt bei High Frequency Economics. „Es gibt weiter viele Risiken, aber keinen Anlass zur Panik.“ Auch andere Analysten werteten den eher zurückhaltenden Tenor seiner Rede als Bestätigung dafür, dass die Fed ihren Schlüsselzins bis zum Jahresende weiter auf dem niedrigsten Stand seit 40 Jahren bei 1,75 Prozent lassen wird.

          Gesunkenes Verbrauchervertrauen

          Greenspan sagte, für die Fed stehe fest, dass sie erst dann ihre derzeitige lockere Geldpolitik aufgeben werde, wenn die US-Konjunktur endgültig über den Berg sei. Der Notenbankchef betonte weiter, die herben Verluste an den Aktienmärkten könnten das Vermögen der Konsumenten empfindlich schmälern und damit die Konsumausgaben beeinträchtigen. „Die Verbraucherausgaben werden sich noch eine Zeit den Aktienkursverlusten anpassen.“

          Analysten erkannten in Greenspans Äußerungen Hinweise darauf, dass die Fed nur zurückhaltend optimistisch in die Zukunft blickt. Der Notenbank-Chef habe gezeigt, wie ungewiss die weitere Wirtschaftsentwicklung sei, sagte Alan Ruskin von 4Cast. „Aus seinen Äußerungen lässt sich ableiten, dass möglicherweise weitere Unternehmens-Ungereimtheiten auftreten könnten. Genau dies wollte der Markt nicht hören", ergänzte er.

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