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Konjunktur : Amerikanische Inflation schürt Zinsspekulation

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          2 Min.

          Die Lebenshaltungskosten in den Vereinigten Staaten sind im März wegen höherer Preise für Energie, Kleidung und Wohnen überraschend stark gestiegen und haben Spekulationen über eine Zinserhöhung der Notenbank (Fed) angeheizt. Die Preise kletterten im Vergleich zum Vormonat saisonbereinigt um 0,5 Prozent, wie das Arbeitsministerium in Washington am Mittwoch mitteilte.

          Im Februar hatte der monatliche Anstieg 0,3 Prozent betragen. Auch die so genannte Kernrate, die schwankungsanfällige Energie- und Lebensmittelpreise ausklammert, war mit 0,4 Prozent nach 0,2 Prozent im Februar höher als von Analysten vorausgesagt. Es ist der stärkste Anstieg in fast zweieinhalb Jahren. Ökonomen an der Wall Street hatten insgesamt einen Preisauftrieb von 0,3 Prozent und eine Kernrate von nur 0,2 Prozent erwartet.

          „Ein wenig über den Erwartungen“

          „Der Verbraucherpreisindex lag ein wenig über den Erwartungen, und das wird die Aussichten erhöhen, daß die Fed die Zinsen eher früher als später anhebt", sagte Devisenstratege Tim Mazanec von Investors Bank&Trust. Als Reaktion auf die Daten weitete der Deutsche Aktienindex (Dax) seine Kursverluste aus. Auch die amerikanischen Futures auf die Aktienindizes an der Wall Street gaben nach. Der Euro rutschte vorübergehend auf ein Jahrestief von 1,1868 Dollar, da bei einer Zinserhöhung in Amerika der Zinsvorteil der Gemeinschaftswährung von derzeit einem Prozentpunkt schmelzen würde. Der Dollar profitierte auch vom stärker als erwarteten Rückgang des amerikanischen Außenhandelsdefizits im Februar.

          Die jährliche Inflationsrate betrug wie im Februar 1,7 Prozent. Die bisher maßvolle Teuerung hatte es der Notenbank Fed erlaubt, die Leitzinsen auf dem historisch niedrigen Stand von 1,0 Prozent zu belassen. Vor der Bekanntgabe der Inflationsrate für März hatten aber bereits positive Arbeitsmarktzahlen - die Schaffung von über 300.000 neuen Arbeitsplätze im März - und starke Einzelhandelsumsätze im selben Monat Spekulationen über eine Zinserhöhung im Sommer angefacht. Es wäre die erste Anhebung seit Juni 2003.

          Import und Export auf Rekordniveau

          Der schwache Dollar und das beschleunigte Wirtschaftswachstum verhalfen im Februar sowohl dem Export als auch dem Import zu Rekordhöhen. Der Fehlbetrag der weltgrößten Volkswirtschaft im Handel mit Waren und Dienstleistungen sank im Februar auf 42,09 Milliarden Dollar nach 43,46 Milliarden Dollar im Januar, wie das Handelsministerium mitteilte. Es lag damit unter der durchschnittlichen Analystenerwartung von 42,50 Milliarden Dollar.

          Die Importe nahmen zwar um 1,6 Prozent zu, gleichzeitig wuchs das Exportvolumen um 4,0 Prozent und damit im Monatsvergleich so stark wie seit Oktober 1996 nicht mehr. Im Handel mit Dienstleistungen erwirtschafteten die Vereinigten Staaten einen Überschuß von 5,15 Milliarden Dollar, während sich das Defizit bei den Gütern auf 47,24 Milliarden Euro belief.

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