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Kommentar zur EZB-Entscheidung : Gefangen im Nullzins

Von einem Ausstieg aus der Billiggeld-Politik mag Mario Draghi nichts hören. Doch es wäre überfällig, wenigstens die Strategie dafür vorzubereiten.

          Mario Draghi geizt nicht mit Selbstlob. Im Rat der Europäischen Zentralbank habe man sich gegenseitig auf die Schulter geklopft, was für hervorragende Erfolge die Geldpolitik zeitige. Die Wirtschaft im Euroraum wachse kräftig und stetig, die Stimmung sei gut wie lange nicht mehr, die Arbeitslosigkeit sinke. Dennoch müsse die EZB die Geldschleusen weiter offen und die Zinsen bei null halten.

          Trotz der auf zuletzt 2 Prozent gestiegenen Inflationsrate und der auf 1,7 Prozent angehobenen Prognose fehle der „überzeugende“ Beleg, dass man langsam den Fuß vom Gas nehmen könne. So macht die EZB weiter mit dem Staatsanleihekauf, faktisch Staatsfinanzierung, und schaufelt weiter Billiggeld in die Märkte, was die Börsenkurse beflügelt. Vom „Exit“, einem Ausstieg aus der Billiggeld-Politik, mag Draghi nichts hören.

          Doch wäre es überfällig, wenigstens die Strategie für den Ausstieg vorzubereiten. Sonst wird die EZB zum Gefangenen ihrer Geldpolitik, denn sie hat Zombiebanken und Schuldenstaaten davon abhängig gemacht. Letztlich schielen die Notenbanker auf diese unheilige Allianz. Der Ausstieg aus der Nullzinspolitik wird, wenn überhaupt in Draghis Amtszeit, erst sehr spät anfangen.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

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