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Kommentar : Moral rettet Klima nicht

  • -Aktualisiert am

Die Energiewende kann nur mit wirksamen Preisen für CO2-Emissionen gelingen. Die Politik sollte sich darauf konzentrieren, statt Quoten für E-Autos und Sanierungen festzuschreiben.

          Die Unterhändler von CDU, CSU, FDP und Grünen stehen unter Zeitdruck. Das gilt erst recht für sperrige Themen wie Energie und Klimaschutz. Die Bonner Klimakonferenz im Rücken, fällt es leicht, mit moralischen Appellen Zustimmung für einen größeren Schutz der Erdatmosphäre zu erheischen – Stichwort „Kohleausstieg“ – und das zur Grundlage der Regierungspolitik machen zu wollen. Doch Moral rettet Klima nicht. Deshalb sollten die Unterhändler einen genaueren Blick in zwei neue Untersuchungen zum Energiemarkt werfen: die der Internationalen Energieagentur und die der deutschen Technikakademien. Wer die liest, wird demütig angesichts der Aufgabe der „Dekarbonisierung“ bis 2050.

          Die Ölnachfrage steigt weltweit auf absehbare Zeit, stellt die Energieagentur fest, auch das Lieblingskind nicht nur der deutschen Politik, die Elektromobilität, dürfte den Boom nicht dämpfen. Mehr Öl zu verbrennen ist aber für den Klimaschutz so sinnvoll, als bekämpfe man Feuer mit Benzin. In Deutschland sollen Kohle, Öl und Gas nun bis 2050 weitgehend durch CO2-freien Ökostrom ersetzt werden. Die Behauptung, der sei beinahe kostenlos, wird an der Stelle ad absurdum geführt, wo die Akademien die Rahmenbedingungen dafür beleuchten.

          Allein die Prognose, die Kapazitäten für Wind- und Photovoltaikanlagen müssten um das Fünf- bis Siebenfache ausgeweitet werden, macht die gesellschaftliche Dimension des Plans schlagartig klar. Wer will das den Leuten vermitteln? Bisher hat sich Politik bei der Erklärung der Energiewende und dem Werben etwa für den Netzausbau einen schlanken Fuß gemacht. Dagegen verblassen sogar große Zahlen wie die bis zu zwei Billionen Euro Umbaukosten bis 2050.

          Die Freunde von „Jamaika“ müssen deshalb nicht in Schockstarre fallen. Sie sollten nur nicht versuchen, den für nötig erachteten Umbau der Gesellschaft auf Jahre im Detail planen zu wollen. So etwas ist schon ganz anderen nicht gelungen. Statt Quoten für E-Autos und die Sanierung von Heizanlagen und Gebäudefassaden festzuschreiben, sollten sie sich besser darauf konzentrieren, alle CO2-Emissionen mit einem wirksamen Preis zu belegen. Das würde die Konsumenten zu klimafreundlicherem Energiekonsum anreizen. Nicht zuletzt sollten die Politiker im Blick behalten, dass nationale Alleingänge zur Begrenzung des Temperaturanstiegs so wenig taugen wie ein Küchenmesser zum Baumfällen. Das große deutsche Engagement für weltweite Lösungen auf dem Klimagipfel ist der richtige Ansatz.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

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