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Rückzug der Unternehmen : Die Zeit nach Putin

Ein Ikea-Geschäft im russischen Omsk Bild: Reuters

Immer mehr westliche Konzerne legen ihr Geschäft mit Russland auf Eis. Das ist richtig, um den Druck zu erhöhen. Sie sollten aber auch die mittel- bis langfristigen Perspektiven im Blick behalten.

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          Der Westen hat nach anfänglichem Zögern sehr entschlossen auf Russlands Krieg in der Ukraine reagiert. Ein wichtiger Baustein sind die mehrfach verschärften Wirtschaftssanktionen, deren Konsequenz nicht nur Moskau überrascht haben dürfte. Seit Wochenbeginn ziehen sich nun als direkte Folge immer mehr Unternehmen aus Russland zumindest vorübergehend zurück und stellen ihre dortigen Geschäfte ein. Industrie, Handel, Bodenschätze – keine Branche kann sich dem öffentlichen Druck mehr entziehen. Zuletzt schlossen sich unter anderem Volkswagen, Mercedes-Benz, Ikea und SAP dieser Bewegung an. Die Folgen dieses in Dynamik und Ausmaß wohl einmaligen Exodus werden Russland und dessen Bevölkerung schon bald zu spüren bekommen.

          In der aktuellen Situation ist es die richtige Antwort auf den kriegerischen Akt, keinen kurzfristigen Gewinn mehr in Russland zu machen und gleichzeitig dem Regime um Präsident Putin finanzielle Mittel zu entziehen. Je schneller die Geldströme zur Finanzierung der gewaltigen Militäraktion versiegen, desto größer die Hoffnung auf ein zumindest teilweises Entgegenkommen Moskaus.

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          Während Energieriesen wie Shell und BP gleich ihr komplettes Russland-Engagement abstoßen und Mercedes sich lieber heute als morgen von seiner Beteiligung am russischen Panzerhersteller Kamaz trennen würde, haben die meisten Unternehmen lediglich temporär den Stecker gezogen. Mancher mag das als halbherzig kritisieren. Dennoch ist der Schritt in der aktuellen Lage angemessen und richtig. Denn eine komplette Entflechtung auf ganzer Breite würde den Druck momentan nicht erhöhen, zumal die russische Regierung den Verkauf von Unternehmensanteilen durch ausländische Investoren untersagt hat.

          Die große Herausforderung für Verantwortliche in Politik und Wirtschaft besteht derzeit darin, bei allem kurzfristigen Handlungsdruck auch die mittel- bis langfristigen Perspektiven im Blick zu behalten. Putin ist nicht Russland, und für eine Zeit, in der ein anderer Präsident im Kreml sitzen wird, kann ein gemeinsames wirtschaftliches Fundament noch hilfreich sein.

          Sven Astheimer
          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

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