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Target-2-Rekord : Von Nord nach Süd

Die Zentrale der Bundesbank in Frankfurt am Main Bild: dpa

Der Saldo der Deutschen Bundesbank gegenüber der EZB hat erstmals die Marke von einer Billion Euro überschritten. Dieser Trend ist aber kein Schicksal. Die Länder in Südeuropa müssen eine Wirtschaftspolitik betreiben, die das Geld nicht aus dem Land treibt.

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          Vor der großen Finanzkrise floss viel Geld aus dem Norden der Währungsunion in die südlichen Staaten. Diese Kapitalbewegungen waren getragen von Hoffnungen auf eine günstige Wirtschaftsentwicklung im Süden, wenig attraktiven Investitionsbedingungen in Deutschland und höheren Zinsen im Süden. Wie sich später herausstellte, wurde das Geld im Süden allerdings oft nicht zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit verwendet, sondern zur Finanzierung von Konsum und von Immobilienblasen.

          Seit der Finanzkrise ist die Geldpolitik nicht nur in der Eurozone sehr expansiv geworden. Seitdem fließt Geld über das Zahlungsverkehrssystem Target 2 vom Süden in den Norden und bläht die nationalen Salden auf. Nun hat der Saldo der Deutschen Bundesbank gegenüber der Europäischen Zentralbank erstmals die Marke von einer Billion Euro überschritten. In einem technischen Sinne entstehen Salden, wenn von einer nationalen Notenbank geschaffenes Zentralbankgeld in ein anderes Land transferiert wird. Hierfür kann es verschiedene Ursachen geben, aber es ist wohl kein Zufall, dass die Salden seit rund fünf Jahren mit der jeweiligen Ausrichtung der Geldpolitik zu atmen scheinen.

          Zielland für sicherheitsorientierte Anleger

          Offensichtlich werden die Ankaufprogramme der EZB von in- wie ausländischen Anlegern genutzt, um südeuropäische Anleihen zu verkaufen und das Geld anschließend auf Konten in Deutschland, in den Niederlanden und in Luxemburg zu halten. Deutschland dürfte aber auch über die Anleihekäufe der EZB hinaus als Zielland für sicherheitsorientierte Anleger gedient haben.

          Bild: F.A.Z.

          An diesem Trend wird sich so schnell nichts ändern, aber er ist kein Schicksal. Die Möglichkeiten, Zentralbankgeld innerhalb der Eurozone zu verschieben, hängen von der vorhandenen Menge an Zentralbankgeld ab. Eine Reduzierung der Anleihekaufprogramme dürfte zu einer Reduzierung der Salden beitragen. Dieser Effekt ließ sich vor ein paar Jahren beobachten.

          Aber die Geldpolitik ist nicht der einzige Akteur. Die Länder in Südeuropa müssen eine Wirtschaftspolitik betreiben, die das Geld nicht aus dem Land treibt, sondern im Gegenteil Gelder aus dem Norden anzieht – und die beim nächsten Mal sinnvoller verwendet werden müssten als in der Vergangenheit.

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