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Stellenabbau bei Autokonzern : Daimler im Sturm

  • -Aktualisiert am

Konzernzentrale von Daimler in Stuttgart. Bild: dpa

Mögliche Strafzahlungen wegen Verstoß gegen EU-Vorgaben, Dieselskandal und ein Konzernumbau. Ola Källenius ist als Vorstandschef von Daimler rauhen Winden ausgesetzt – gleich von mehreren Seiten ausgesetzt.

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          Man war Rekorde gewöhnt von Daimler, auch im Januar wurde für Mercedes noch ein Verkaufsrekord für 2019 vermeldet. Mittlerweile aber häufen sich Nachrichten, die nach Krise aussehen, nach Umbau und Abbau. Große Zahlen kursieren: bis zu 15.000 Stellen könnten wegfallen. Das passt zur offiziellen Aussage aus dem Stuttgarter Konzern, dass weltweit Stellenstreichungen im niedrigen fünfstelligen Bereich geplant seien.

          Auch wenn die 15.000 noch Spekulation sind, bewirkt so eine konkrete Zahl ein Aufschrecken: Daimler steht im Sturm. Und: Es ist nicht das „Wir-haben-jetzt-einen-neuen-Chef“-Ereignis, das die Altlasten des Vorgängers aufdeckt und in der Bilanz zu Rückstellungen verwandelt. Was jetzt über Daimler hinwegfegt, hat die Qualitäten eines Orkans.

          Zusammengebraut hat sich das Unwetter seit Jahren. Während VW unter dem Druck des Diesel-Skandals den großen Neuanfang zelebrierte, versuchte man bei Mercedes das Abgasthema totzuschweigen, was den Daimler-Konzern aber nicht davor bewahrt, Vorsorge in Milliarden-Höhe zu treffen, für das, was da noch kommen kann. Gleichzeitig meldete Mercedes fast kontinuierlich neue Verkaufserfolge, was einen Strategieschwenk schwerer durchsetzbar macht. Mit den Rekorden entstand ein weiteres Problem, denn die Kunden entschieden sich vorwiegend für große Spritschlucker. Das ist schlecht für den CO2-Ausstoß der Flotte. Es drohen Strafzahlungen wegen Überschreitung der EU-Vorgaben. Ständig bekommt der Sturm neue Nahrung: Klimaaktivisten, Handelsstreitigkeiten, Coronavirus sind nur drei Stichworte für die Herausforderungen, die das Wirtschaften derzeit schwer kalkulierbar machen.

          Es sind wahrhaft rauhe Winde, denen Ola Källenius ausgesetzt ist, der im Mai seinen Posten als Vorstandschef von Daimler angetreten hat. Noch ist nicht absehbar, ob er sturmfest ist. Eine Strategie ist immer noch nicht zu erkennen. Dass nach zehn goldenen Jahren ein Personalabbau nötig ist, weil manches nicht mehr zeitgemäß ist, liegt auf der Hand. Zu der bewährten Kultur von Daimler gehört aber auch, dass es keinen Kahlschlag gibt, sondern Lösungen im Konsens. Und bisher ist nicht zu erkennen, dass sich daran etwas ändern wird, auch im Sturm nicht.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

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