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Neuer Lockdown : Ende der Illusionen

Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Es ist heute wirklich nicht der Tag, jetzt zurückzublicken oder irgendwie zu fragen, was wäre gewesen, wenn. Sondern es ist der Tag, das Notwendige zu tun.“ Bild: dpa

Die zusätzlichen Beschränkungen der individuellen Freiheit sind nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Die Politik muss immer wieder hinterfragen, wie lange sie gerechtfertigt werden können. Aber in dieser Stunde hat eine konsequente Bekämpfung der Pandemie Vorrang.

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          Der Kampf gegen das Virus gleicht einem Langstreckenlauf ohne festen Zielpunkt und bei miserablem Wetter. Diese Dauerbelastung macht viele Menschen verständlicherweise missmutig und mürbe, zumal Hoffnungen auf ein vorzeitiges Ende getrogen haben. Illusionen gab es viele: Im Sommer war die Ansicht verbreitet, es drohe keine zweite Welle; daher wurden die damals noch geltenden Einschränkungen persönlicher Freiheitsrechte nicht selten kritisiert.

          Als die zweite Welle nicht mehr zu leugnen war, trösteten sich Politiker (mit Ausnahme der Bundeskanzlerin), viele Bürger und viele Vertreter der Wirtschaft mit der Vorstellung, eine maßvolle Zunahme der Einschränkungen – die als Lockdown wahrgenommen wurde, aber keiner war – werde ausreichen, um den Schutz der Gesundheit und den Schutz der Wirtschaft gleichzeitig zu sichern. Wer Zweifel an der Weisheit dieses Ansatzes äußerte, geriet schnell in den Verdacht der Panikmache. Und als die Zahl der Neuinfizierten dann wider Erwarten nicht sank, tröstete man sich mit der Hoffnung, das deutsche Gesundheitswesen werde dank einer im internationalen Vergleich stattlichen Ausstattung mit Intensivbetten jede Herausforderung schon irgendwie meistern. Das war die nächste Illusion.

           Weil die Zahl der Infizierten und der Toten steigt und immer mehr Nachrichten über eine drohende Überforderung des Gesundheitswesens ans Tageslicht treten, handelt die Politik endlich energisch.  Über einzelne Maßnahmen lässt sich trefflich streiten, aber die meisten Menschen, von den Unbelehrbaren abgesehen, dürften verstehen, dass die Zeit der Illusionen enden muss, wenn die Pandemie nicht außer Kontrolle geraten soll.

          Ja, die mit den neuen Maßnahmen verbundenen zusätzlichen Beschränkungen der individuellen Freiheit sind natürlich nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Die Politik muss immer wieder hinterfragen, wie lange diese Beschränkungen gerechtfertigt werden können. Aber in dieser Stunde hat eine konsequente Bekämpfung der Pandemie Vorrang, denn nur dieser Ansatz verspricht, der Plage möglichst bald Herr zu werden. Auch für die Wirtschaft ist dies die beste Lösung.

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

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