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Handelskonflikt : Atempause

Der chinesische Präsidenten Xi Jinping (r) zusammen mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump in Peking Bild: dpa

Die Rivalität zwischen China und Amerika wird sich noch lange fortsetzen – daran ändert auch ein Handelsabkommen nichts. Für die Europäer steckt darin aber eine tröstliche Botschaft.

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          Die Vorstellung wäre naiv, eine Rivalität zwischen zwei Weltmächten lasse sich mit einem Handelsabkommen beenden. So wie es in dem von Präsident Donald Trump vom Zaun gebrochenen amerikanisch-chinesischen Handelsstreit niemals alleine um Handelsbilanzen und die Rückverlagerung von Industriebetrieben aus China in die Vereinigten Staaten ging, so kann die nun angekündigte Teileinigung nicht als Zeichen einer dauerhaften Entspannung zwischen Washington und Peking gedeutet werden. Die Rivalität wird sich noch lange fortsetzen und nach Ansicht vieler deutscher Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft dürfte im ökonomischen Wettstreit auf die Dauer nicht Amerika obsiegen.

          Auch wenn, worauf der Außenwirtschaftsfachmann Gabriel Felbermayr verweist, die Nachteile von Trumps Zollpolitik auf den Welthandel bisher wohl überschätzt worden sind, besitzt Trump ebenso wie die chinesische Führung kein Interesse an einer Eskalation im Handelskonflikt. Trump richtet seine Blicke auf den Präsidentschaftswahlkampf des Jahres 2020, in dem er keine Abschwächung des immer noch sehr robusten amerikanischen Wirtschaftswachstum gebrauchen kann. Die Machthaber in Peking wiederum haben in den vergangenen Jahren zwar die internationale Abhängigkeit des chinesischen Wirtschaftsmodells reduziert. Gleichwohl verursachte eine langwierige Störung der internationalen Wirtschaftsbeziehungen immer noch einen erheblichen Schaden auch in China. Zumindest eine Atempause werden sich Washington und Peking in ihrem Wettstreit gönnen.

          Eine tröstliche Botschaft für Europa mag sein: Am Ende sind sowohl die Vereinigten Staaten als auch China nicht so stark, wie sie erscheinen. Nicht zufällig verbreitet Trump zwar kräftige Sprüche über Twitter, denen dann aber keine sehr kräftigen Aktionen folgen – weder gegenüber den Chinesen noch gegenüber seinem nordkoreanischen (Ex-)Freund. Die amerikanische Wirtschaft ist stark, aber nicht unverletzlich. Und in China wird sich die Alterung der Bevölkerung schon zu einer Zeit in der Wirtschaft auswirken, in der das Reich der Mitte seinen Aufholprozess gegenüber den Industrienationen noch lange nicht abgeschlossen hat.

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

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