https://www.faz.net/-gqe-9jhv8

Kommentar zum EU-Austritt : Das Brexit-Feigenblatt

  • -Aktualisiert am

Lastwagen stehen auf dem Manston International Airport bei einem Brexit-Test. Bild: dpa

Die britische Regierung erwägt aus Angst vor Versorgungsengpässen Zollprüfungen auszusetzen. Das kann nicht funktionieren.

          1 Min.

          Großbritannien werde durch den EU-Austritt die Kontrolle über seine Staatsgrenze zurückgewinnen – so lautete vor dem britischen Volksentscheid im Sommer 2016 der Wahlkampfslogan der Brexit-Bewegung.

          Aber jetzt droht genau das Gegenteil: Die britischen Behörden kündigen an, im Ernstfall eines ungeordneten EU-Austritts auf eine reguläre Zollprüfung von Importwaren vorübergehend zu verzichten. Tatsächlich ist die angekündigte „Vereinfachung“ wohl nur ein Feigenblatt. Fachleute sagen, ein Zollchaos könne nur dann verhindert werden, wenn die Abfertigung nicht nur vereinfacht, sondern bis auf weiteres ganz aufgegeben werde. Für Schmuggler und sonstige Wirtschaftskriminelle würden damit Träume wahr.

          Doch selbst wenn sich die britische Regierung aus Furcht vor Versorgungsengpässen in Supermärkten und Fabriken zu einer solchen Verzweiflungstat entschließen sollte: Einseitige Maßnahmen bringen wenig, wenn die EU-Seite nicht auch den Schutz ihrer Zollgrenze vorübergehend aufgibt, womit kaum zu rechnen ist. Es bleibt dabei: London und die EU müssen sich endlich auf ein Brexit-Abkommen einigen, das für eine geordnete Trennung sorgt.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Mehr Schatten als Licht: Die Unternehmensberatung McKinsey wechselt nach einer Serie von Skandalen ihre Führung aus.

          Berater in der Krise : Chaostage bei McKinsey

          Die Unternehmensberatung McKinsey wechselt nach einer Serie von Skandalen ihre Führung aus. Und wirft damit Fragen nach ihrem Reformwillen auf.
          Nein, dies ist keine offizielle Waffenentsorgungsbox. Dies ist ein Kunstprojekt des „Zentrum für politische Schönheit“.

          Gastbeitrag zur Bundeswehr : Warum Amnestieboxen eine gute Idee sind

          Von den illegalen Munitionslagern bei der Bundeswehr wissen bis zur obersten Führung alle. Sie sind die Lösung, nicht das Problem: Erst die Möglichkeit zur Abweichung von Regeln gibt der Armee eine gewisse „Leichtigkeit“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.