https://www.faz.net/-gqe-7tthl

Taxi vs. Uber : Alte Welt gegen neue Welt

  • -Aktualisiert am

Taxifahrern gefällt das Angebot von Uber nicht. Bild: dpa

Das aggressive Vorgehen des Taxi-Schrecks Uber zeigt: Das Internet ändert den Kapitalismus, wie wir ihn kennen. Gut so!

          3 Min.

          Der Kampf zwischen Uber und den Taxis wird mit harten Bandagen geführt. Ausgestattet mit Kapital von mächtigen Geldgebern wie Goldman Sachs, Kleiner Perkins und Google Ventures, schert sich das Start-up aus San Francisco nicht um nationale Regeln und setzt sich sogar über gerichtliche Verbote seines Dienstes Uber Pop hinweg, der via Smartphone private Fahrer vermittelt. Der einfache Grund: Es hält sie nicht für richtig.

          Man muss das nicht sympathisch finden. Und Uber-Chef Travis Kalanick hat sich wohl auch nicht viele Freunde gemacht, als er auf einer Konferenz öffentlich von „einem Arschloch namens Taxi“ sprach. Doch dem Vorgehen von Uber lässt sich auch etwas Positives abgewinnen. Denn das Unternehmen zwingt Politik und Justiz, über eine wichtige Frage nachzudenken: Wie soll man mit der neuen Konkurrenz aus dem Internet umgehen, die in bestehende Regeln nicht hineinpasst oder sich über diese einfach hinwegsetzt? Ubers Kompromisslosigkeit erfordert hierauf unausweichlich eine Antwort.

          Es ist eine Frage, die nicht nur Uber betrifft. Unter dem Begriff der Share Economy sind neue Geschäftsmodelle entstanden, die bestehende Branchen herausfordern. So auch Airbnb, ein vor allem bei Touristen beliebter Vermittler privater Unterkünfte. Airbnb drängt – wie Uber – in eine Branche mit festen Regeln. Beide Unternehmen passen in diese Regeln jedoch nicht richtig hinein und bringen deshalb die alteingesessenen Unternehmen gegen sich auf.

          Wie soll man der neuen Konkurrenz aus dem Internet begegnen?

          Die Taxifahrer klagen, dass die Konkurrenten von Uber Pop keinen Personenbeförderungsschein haben, die Hoteliers jammern, dass Airbnb und andere private Vermittler ihnen Kunden abjagen, ohne ähnlich hohe Auflagen für Hygiene und Brandschutz befolgen zu müssen. Und Uber und Airbnb werden sicher nicht die letzten Unternehmen sein, die im Zuge der digitalen Revolution ganze Branchen umwälzen. Wie soll man ihnen also begegnen?

          Die alte Welt des Dienstleistungssektors und die neue Welt der Internetunternehmen haben hierauf bislang zwei entgegengesetzte Antworten. Die alte Welt fordert: regulieren! Durch Auflagen und Verbote will sie den neuen Konkurrenten die Geschäftsgrundlage entziehen. Vor dem Frankfurter Landgericht haben die Taxizentralen gerade eine einstweilige Verfügung gegen Uber erreicht, die für ganz Deutschland gilt, an die Uber sich jedoch nicht hält.

          Für Airbnb wurde in Berlin eigens ein Zweckentfremdungsverbot beschlossen: Wer seine Wohnung an Feriengäste vermieten will, braucht nun eine Genehmigung der Behörden. So will man verhindern, dass Wohnungen gerade in Städten mit einem Wohnraummangel wie etwa in den beliebten Berliner Stadtteilen Prenzlauer Berg und Friedrichshain, in Hamburg oder New York dem regulären Markt entzogen werden.

          Der Kunde profitiert

          Die neue Welt will das genaue Gegenteil. Deregulieren!, fordert sie. Die Regeln etwa für das Taxigewerbe seien erfunden worden, bevor es das Internet überhaupt gab, argumentiert beispielsweise Uber. Nun müssten sie eben neu geschrieben werden.

          So einfach ist es freilich nicht, doch die digitale Revolution im Keim zu ersticken kann auch keine Lösung sein. Denn die neuen Anbieter ermöglichen einen Wettbewerb, der zu begrüßen ist – und von dem vor allem der Kunde profitiert. Er kann wählen, ob er ins Taxi steigt oder sich über Uber und Co. eine günstigere Alternative sucht. Er muss im Urlaub auch nicht mehr im Hotel absteigen, wenn er lieber privat unterkommen will. Im Zweifel ermöglicht ihm Airbnb sogar Reisen, die er sich sonst gar nicht hätte leisten können – einfach weil die Unterkünfte häufig deutlich billiger sind.

          Es gilt also, genau auszuloten, wie die alte und die neue Welt nebeneinander existieren können. So gibt es im Taxigewerbe durchaus Regeln, die erhaltenswert scheinen, etwa die Beförderungspflicht. Ältere Menschen dürften dankbar sein, wenn Taxifahrer auch künftig keinen Fahrgast ablehnen dürfen, so kurz die Fahrt auch sein mag. Doch muss nicht jedem neuen Unternehmen diese Pflicht auferlegt werden. Im Gegenzug genießen die Taxis immerhin ein großes Privileg: Die elfenbeinfarbene Lackierung ist auch eine Art Qualitätssiegel. Wer hier einsteigt, weiß, was er bekommt, auch wenn nicht jeder Fahrer die Erwartungen erfüllen mag.

          Andere Formen der Regulierung hat schon die Technik überflüssig gemacht: Wozu soll ein Fahrer noch seine Ortskenntnis nachweisen, wenn das Navi ihn recht zuverlässig ans Ziel lenkt? Und sollen Uber-Fahrer wirklich eine Tauglichkeitsprüfung absolvieren, wo sie doch nach jeder Fahrt vom Kunden bewertet werden? Das erscheint schlicht nicht mehr zeitgemäß.

          Man könnte Uber also auf eine legale Grundlage stellen, ohne dass es all die Auflagen erfüllen muss, die für Taxis gelten. Das Ergebnis könnte sein, dass Uber neben den Taxis als günstigere Variante für preissensible Kunden besteht. Jedem Kunden stünde es frei, weiter Taxi zu fahren. Und mindestens solange man ein Smartphone braucht, um die Konkurrenten aus dem Internet nutzen zu können, wird es Taxis auch weiter geben. Uber bliebe wohl auch wegen der technischen Voraussetzungen erst einmal ein Nischenangebot für eine bestimmte Klientel. Die könnte dann jedoch frei wählen, ob sie in ein Uber-Auto oder in ein Taxi steigt.

          Britta Beeger

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Folgen:

          Weitere Themen

          In Phuket stehen die Hotels leer Video-Seite öffnen

          Tote Hose im Paradies : In Phuket stehen die Hotels leer

          Weil immer weniger Chinesen auf Phuket Urlaub machen, stehen die Hotelzimmer auf der thailändischen Ferieninsel leer. Das wiederum macht die Region billiger für Reisende.

          Überwach mich!

          FAZ Plus Artikel: Autoversicherung : Überwach mich!

          Autofahrer können bei der Versicherung sparen, wenn eine Box ihre Fahrweise beobachtet. Gerade für Fahranfänger sind solche „Telematik-Tarife“ attraktiv. Nur: Lohnt sich das auch?

          Topmeldungen

          Regula Rytz, Präsidentin der Grünen Partei, wirft ihren Wahlzettel in eine Wahlurne.

          SVP bleibt stärkste Kraft : Grüne legen bei Schweizer Parlamentswahl deutlich zu

          Bei der Parlamentswahl in der Schweiz gab es Verschiebungen: Die rechtskonservative SVP bleibt zwar stärkste Kraft, konnte aber nicht mehr so gut punkten. Den größten Zuwachs verzeichnen die Grünen – in die Landesregierung schaffen sie es jedoch nicht.
          Legte den Grundstein für den Kölner Erfolg: Angreifer Simon Terodde

          3:0 gegen Mitaufsteiger : Köln begeistert im Kellerduell

          Mit dem Heimerfolg gegen den SC Paderborn gelingt den Rheinländern der Schritt aus der direkten Abstiegszone, der unterlegene Gegner indes fällt am Tabellenende weiter zurück. Der Führungstreffer sorgt derweil für Diskussionen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.