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Kommentar zu Saudi-Arabien : Trumps rohe Realpolitik

Dieses Bild von Präsident Trump, First Lady Trump, Köng Abdulaziz al-Saud und dem ägyptischen Präsident al-Sisi ging einst um die Welt. Bild: AGENCY HANDOUT/REX/Shutterstock

Präsident Trumps Position zu Saudi-Arabien ist knallhart realpolitisch: Saudi-Arabien ist schlicht zu wichtig. Man mag das verurteilen. Aber: In Amerika hat das Tradition.

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          Präsident Donald Trump will keine Sanktionen über Saudi-Arabien verhängen. Er folgt damit dem außenpolitischen Traditionspfad, den seine Vorgänger im Weißen Haus beschritten haben.

          Alle Präsidenten wussten, dass das saudi-arabische Königreich ein Schurkenstaat ist, der für westliche Vorstellungen von Menschenrechten nichts übrig hat und Terrororganisationen Geld gibt. Rohe Realpolitik bestimmte stets das Verhältnis beider Länder. Dahinter steckt die oft enttäuschte Hoffnung, dass man mehr bekommt als man opfert.

          Neben wichtigen geostrategischen Erwägungen spielten auch Wirtschaftsinteressen eine zentrale Rolle. Saudi-Arabien hat immer noch den größten Einfluss auf globale Ölpreise, ist ein großer Waffenkäufer und wichtiger Investor. Diese Interessen bekommen womöglich mit dem Geschäftsmann Donald Trump im Weißen Haus ein stärkeres Gewicht, zumal seine Regierung gerade versucht, Iran als Öllieferanten zu neutralisieren. Trump verschweigt solche Motive nicht.

          Man mag diese Realpolitik verurteilen. Bevor man aber über Trump schäumt, möge man sich erinnern: Der Friedensnobelpreisträger, der vorher im Oval Office saß, war in dieser Hinsicht nicht besser.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

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