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Kommentar : Keine Angst vor dem Konsum!

Gut so. Bild: dpa

Der Papst geißelt die Konsumgesellschaft. Dabei ist die ziemlich gut für uns.

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          Es sind diese Sätze, mit denen jeder sofort unreflektiertes Kopfnicken auslösen kann. Die Gesellschaft sei vom Konsum und Vergnüngen berauscht, sagt der Papst. Überfluss und Luxus verstellten den Blick auf das Wesentliche. Kritik am Konsum, auch noch an Weihnachten, das bringt reflexhafte Zustimmung: Jaja, die Konsumgesellschaft ist böse, damit haben wir's übertrieben.

          Wirklich?

          In den vergangenen 25 Jahren hat die Menschheit eine Milliarde Leute aus der extremen Armut geholt, so viele wie nie zuvor. Die Armutsbekämpfung der vergangenen Jahrzehnte gehört zu den größten Erfolgen der Menschheit – und zwar nicht in den Staaten, die seit Jahren mit Entwicklungshilfe und Fair-Trade-Handel gepäppelt werden. Sondern in China, Indonesien oder Vietnam: den Staaten, die sich in die globale Wirtschaft integriert haben. Nicht Liebe und Barmherzigkeit haben die Armut zurückgedrängt, sondern die globale Konsumgesellschaft.

          Denn hinter der Konsumgesellschaft steht ein Antrieb, der Menschen immer wieder zu großen Leistungen inspiriert hat: Immer mehr und immer höhere Qualität zu bekommen, und das immer billiger. Was könnte besser sein? Die Armen profitieren am meisten davon, wenn es immer bessere Qualität immer billiger gibt. Selbst moderne Sport-Funktionskleidung, wasserdicht und atmungsaktiv, bekommt man heute zum Discountpreis.

          Die Umwelt freut sich auch. Denn „immer billiger“ heißt auch: mit immer weniger Ressourcen. Zumindest im Prinzip.

          Konsum macht stark

          Natürlich ist mit der Umwelt längst nicht alles in Ordnung. Dafür braucht eine Konsumgesellschaft geeignete Leitplanken. Und natürlich müssen auch heute Menschen unter unwürdigen Bedingungen arbeiten. Doch wer dafür pauschal die Konsumgesellschaft verantwortlich macht, schießt auf das falsche Ziel.

          Gerade der Konsum macht Arbeiter selbstbewusst und stark: die Nachfrage nach ihren Produkten. Es ist kein Zufall, dass Unternehmen gerade in China ihre Mitarbeiter immer besser behandeln. Chinas Waren sind auf der Welt begehrt, deshalb werden die Arbeiter gebraucht. Heute müssen die Unternehmen um Mitarbeiter kämpfen. Wo die Arbeitsbedingungen schlecht sind, laufen die Leute weg – manchmal von einem Tag auf den anderen. Der Konsum hat die Lage der Chinesen schneller verbessert als jede Online-Petition für gute Arbeitsbedingungen.

          Barmherzigkeit ist gut für das Gewissen der Barmherzigen. Für die Empfänger der Barmherzigkeit aber wäre Respekt noch besser. Wer konsumiert, kauft dem anderen etwas ab, weil das Produkt gut ist. Das ist viel würdevoller als jedes Mitleid.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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