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Flugverbot für Boeing 737 Max : Beschädigte Glaubwürdigkeit

  • -Aktualisiert am

Im Landeanflug: Eine Boeing 737 Max 8 am Flughafen von Los Angeles. Bild: Reuters

Mit ihrer zögerlichen Haltung haben Amerikas Präsident und der Flugzeughersteller Boeing den Verdacht geweckt, dass für sie die Industriepolitik eine große Rolle gespielt hat. Und dass die Sicherheit der Menschen an zweiter Stelle stand.

          Fliegen ist immer sicherer geworden. Die Zahl der Flugzeugabstürze und der damit verbundenen Todesopfer ist heute viel niedriger als etwa noch in den neunziger Jahren. Deshalb ist es auch so außerordentlich, dass in weniger als sechs Monaten gleich zwei Boeing-Flugzeuge desselben Typs 737 Max 8 abgestürzt sind, und zwar unter offenbar ähnlichen Umständen kurz nach dem Start. Es waren neue Flugzeuge, denn die Modellreihe ist erst seit 2017 im Einsatz.

          Zweifellos verbietet es sich, vorschnelle Schlüsse zu ziehen. Die Ermittlungen zum Absturz in Äthiopien am vergangenen Sonntag stehen noch am Anfang, und auch die Ursache für das erste Unglück in Indonesien vor einigen Monaten ist nicht eindeutig geklärt. Aber angesichts der Duplizität der Ereignisse muss jeder, der Verantwortung dafür trägt, in welchen Flugzeugen Menschen unterwegs sind, in Betracht ziehen, dass es sich hier nicht um einen Zufall handelt. Entsprechend konnte es für den Hersteller Boeing, für Fluglinien und Regulierer gar keine andere Entscheidung geben, als Flugzeuge dieses Typs vorläufig aus dem Verkehr zu ziehen.

          Spät und mit offensichtlichem Widerwillen

          Es ist daher rätselhaft, warum dies ausgerechnet auf dem amerikanischen Heimatmarkt von Boeing so spät und mit offensichtlichem Widerwillen geschehen ist. Während in Europa und anderen Teilen der Welt schon Flugverbote erteilt wurden, gab die amerikanische Flugaufsicht FAA noch bekannt, dass sie dafür keinen Anlass sehe. Boeing versuchte derweil, die aufgeschreckte Öffentlichkeit mit der dürren Stellungnahme zu beruhigen, dass das Unternehmen Vertrauen in die Sicherheit des Flugzeugs habe. Umgekehrt konnten sich Flugreisende berechtigterweise fragen, wie viel Vertrauen sie in Boeing und die amerikanischen Regulierer haben sollten. Nicht nur steht Boeing-Vorstandschef Dennis Muilenburg dem Präsidenten Donald Trump sehr nahe. Der Konzern betreibt auch aggressiv Lobbyarbeit, es gibt enge Verbindungen zwischen ihm und der FAA.

          Erst am Mittwoch lenkten Trump und Boeing ein. Aber ihre Glaubwürdigkeit war zu diesem Zeitpunkt schon beschädigt. Mit ihrer zögerlichen Haltung nach den Flugzeugabstürzen haben sie den Verdacht geweckt, dass in ihren Überlegungen die Industriepolitik eine große Rolle gespielt habe – und dass die Sicherheit der Menschen an zweiter Stelle stand.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

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