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Kommentar zu Eon : Flucht in die Zukunft

  • -Aktualisiert am

Eon wagt einen Befreiungsschlag mit offenem Ausgang. Und setzt damit nicht nur die Wettbewerber unter Druck. Die Atommeiler, von denen Eon sich trennen will, machen die Abspaltung zum Politikum.

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          Die Eon-Führung zieht die Konsequenz aus der rational nicht mehr planbaren Strompolitik im Energiewende-Deutschland. Der Energiekonzern soll radikal aufgespalten werden. Die fortgeführte Eon SE, eine Art „Eon Zukunft“, will sich nur noch um Erneuerbare Energie, Energienetze und Endkunden kümmern. Der andere, noch namen- und firmensitzlose Konzern, die „Eon Classic“, soll für die konventionelle Stromerzeugung, den globalen Energiehandel sowie die Erdgasproduktion zuständig sein.

          Die Aktien der „Eon Classic“ sollen in zwei Jahren überwiegend den Aktionären der „Eon Zukunft“ überlassen und zum Börsenhandel eingeführt werden. Es sind dies die traditionellen Geschäftsfelder, mit denen Eon noch vor wenigen Jahren die Vision vom weltweit führenden privaten Energieversorger pflegte. Aber dem Traum folgte mit der Energiewende 2011 bald der Albtraum. Der umgehend vollzogene radikale Kostenschnitt verpuffte, weil die Erlöse fast in gleichem Tempo schrumpften. Der Plan zur Abschaltung für die einst goldene Eier legenden Atommeiler steht und wird vollzogen.

          Nun nehmen die deutschen Klimaschützer auch noch die Kohlekraftwerke ins Visier. Und die modernen Gaskraftwerke, für die Eon in den zurückliegenden Jahren Milliarden von Euro ausgegeben hatte, sind wegen der hohen Brennstoffkosten und der niedrigen Großhandelspreise für Strom auch noch zu einer Bürde geworden.

          Der Schritt von Eon ist beispiellos in der Wirtschaftsgeschichte

          Auch an den außereuropäischen Märkten, in die zum Ersatz zum hierzulande von der Politik entwerteten Kraftwerkspark investiert wurde, läuft es nicht rund. In Brasilien hat der Energiekonzern beim Bau neuer Kraftwerke auf den falschen, inzwischen insolventen Partner gesetzt. In Russland verhageln der schwache Rubel die Rechnung. Die Türkei hat ihren Glanz als aufstrebende Wirtschaftsmacht wieder verloren.

          Fasst man all die Großbaustellen bei Eon zusammen, dann wirkt die Strategie wie die Aufteilung in einen neuen Kern für die Zukunft und eine Art Abwicklungsgesellschaft, in die das nicht mehr Kalkulierbare, unrentabel gewordene Alt-Energiegeschäft zusammengefasst wird. Das erinnert an die Abspaltung des Chemiegeschäftes unter dem Bayer-Vorstandsvorsitzenden Werner Wenning, der heute nicht zufällig den Eon-Aufsichtsrat leitet. Allerdings stand damals die Massenchemie, die als Lanxess abgespalten wurde, längst nicht so stark unter öffentlichem und politischen Druck wie heute die Stromversorger.

          Eine solche Flucht nach vorn ist ohne Beispiel in der Wirtschaftsgeschichte der Bundesrepublik. Mit dem Rückzug aus der klassischen Stromproduktion und der Konzentration auf Ökostrom wagt einer der größten privaten Energiekonzerne Europas einen Befreiungsschlag – mit offenem Ausgang. Praktisch über Nacht will sich der aus zwei einst staatlichen Energieunternehmen gebildete Eon-Konzern von seinen über Jahrzehnte entwickelten Geschäften trennen und sich ganz auf Neues konzentrieren. Das Neue, der Ökostrom, ist überall in Europa noch ein vollständig von der Politik regulierter Markt. Ohne dauerhafte Förderung gäbe es kaum Investitionen. Vor allem mit Windfarmen vor der Küste möchte sich Eon mit professioneller Aufbautechnik einen Ertragsvorteil erarbeiten.

          Eon setzt die Politik und die Wettbewerber unter Druck

          Mit diesem waghalsigen Schritt setzt der Düsseldorfer Energiekonzern die Politik und die großen Wettbewerber unter Druck. Durch die Abspaltung der konventionellen Stromerzeugung verliert ein neues Strommarktdesign für die Konzernleitung der neuen Eon an Bedeutung. Dem Vorstand der „Eon Classic“ bleibt in der Investitionspolitik der Eiertanz zwischen konventionellen und regenerativen Projekten erspart – und die Hoffnung, Teile der Altlasten bei der Politik abladen zu können.

          Die Chancen des Unternehmens liegen darin, dass Deutschland in Zukunft auch bei 50 Prozent Ökostromanteil die gleiche Strommenge aus konventionellen Kraftwerken benötigt und sich dies in auskömmlichen Preisen niederschlagen wird. Den Wettbewerbern RWE, Vattenfall und ENBW wäre Eon nach der Teilung einen Schritt voraus. Sie alle haben enorme Probleme, dass die bis vor wenigen Jahren noch gewinnträchtigen konventionellen Kraftwerke keine Ertragsquelle mehr sind. In Deutschland gehört die Zukunft der regenerativen Energie und der modernen Stromvermarktung. Aber ob der deutsche Kapitalmarkt auf eine zweite Abspaltung von Atom- und Kohlekraftwerken wartet? Natürlich könnte die neue Börsengesellschaft auch andere konventionelle Kraftwerke aufnehmen. Die Frage aber ist, ob es an der Börse genug Interessenten für Atom- und Kohlekraftwerke gibt.

          Genau das ist der Punkt, an dem die Politik gefordert ist. In einer Welt mit einem funktionierenden Energiemarkt könnte es der Bundesregierung egal sein, wie die Branche ihre Produktionskapazitäten neu sortiert. Aber die Atommeiler, von denen sich Eon trennen muss, weil die Politik deren Abschaltung erzwingt, machen die Aufspaltung des Eon-Konzerns zum Politikum. Es muss analysiert werden, ob die neue Aktiengesellschaft in der Zukunft den Rückbau der Kernkraftwerke finanzieren kann.

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