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Kommentar : Aus der Dunkelkammer

  • -Aktualisiert am

Chinas Präsident inszeniert sich in Davos als Mann des Freihandels. Seine Politik freilich sieht anders aus. Das bekommen auch deutsche Unternehmen zu spüren.

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          Wie erwartet hat der chinesische Präsident in Davos den Anwalt für Freihandel und Globalisierung gegeben. Xi Jinping verglich Protektionismus poetisch mit einer „Dunkelkammer, wo es möglicherweise weder Wind noch Regen gibt, aber eben auch weder Luft noch Licht.“ Wer wüsste besser als der Kommunist Xi, welche Wirtschaftswunder möglich sind, wenn sich eine Nation auch nur begrenzt für Handel öffnet und offene Märkte vorfindet.

          In China ist die Erinnerung an die Jahre in der ökonomischen Dunkelkammer lebendiger als anderswo; immer noch müssen Millionen Chinesen in den Markt integriert werden. Als Freihandelsbotschafter hatte Xi die große Bühne diesmal für sich. Amerikas Präsident in spe ließ der Abschottung das Wort reden und die Kanzlerin hat im Wahljahr wenig Interesse an plakativen Auftritten, die deutschen Freihandelsphobikern Zulauf verschaffen.

          So hat Merkel die Chance verpasst, Xi mit dem Bild vom „Glashaus“ zu antworten. Denn während Chinas Investoren hierzulande fast ungehindert Zugang haben, sehen sich deutsche Unternehmen in China vielfach ausgebremst. Glaubhaft wird Xi als Freihandelsfreund nicht durch Worte, sondern durch Taten.

          Heike Göbel
          Verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, zuständig für „Die Ordnung der Wirtschaft“.

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