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Konjunktur-Kommentar : Land der wirtschaftlichen Wunder

  • -Aktualisiert am

Nicht nur in den Chefetagen der deutschen Konzerne herrscht Hochstimmung. Bild: dpa

Natürlich gibt es Ungerechtigkeiten und arme Menschen. Aber der überwältigenden Mehrheit der Leute geht es gut – darum wollen ja so viele Migranten hierher. Jetzt muss „Jamaika“ daraus die richtigen Schlüsse ziehen.

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          Seit der Weltfinanzkrise kennt die deutsche Wirtschaft nur eine Richtung: nach oben. Der Boom wird den von der Regierung bestellten „Wirtschaftsweisen“ inzwischen sogar unheimlich; sie warnen in ihrem jüngsten Gutachten vor einer Überhitzung – und vor einer weiteren Ausweitung der Sozialleistungen. Doch das wird die Macher der Talkshows in den staatlichen Sendern kaum davon abhalten, weiter an der Legende von weitverbreiteter Armut zu stricken, obwohl die Lage anders ist. Natürlich gibt es Ungerechtigkeiten und arme Menschen, aber der überwältigenden Mehrheit der Leute geht es gut, darum wollen ja so viele Migranten nach Deutschland. Im Großteil des Landes herrscht Vollbeschäftigung, die Löhne steigen, der Konsum brummt, die Hauspreise und Mieten schießen nach oben und Steuer- wie Sozialabgaben brechen alle Rekorde.

          Nicht nur in den Chefetagen der deutschen Konzerne herrscht Hochstimmung, sondern auch im Handwerk und Mittelstand, wie jeder weiß, der einen Handwerker braucht. Die deutsche Wirtschaft zieht wie eine Lokomotive die Konjunktur in der Eurozone mit nach oben, weshalb auch die Kritik an den hohen deutschen Überschüssen leiser wurde, obwohl diese ebenfalls weiter steigen. Europa, der vormalige Krisenkontinent, gilt auf einmal als Wachstumsmotor der Weltwirtschaft.

          Ein baldiges Ende dieses langen Aufschwungs ist aus deutscher Sicht wohl solange nicht zu befürchten, wie ein maßgeblicher Antrieb des Booms weiterläuft: der Nullzins der Europäischen Zentralbank. Wer angesichts des Aufschwungs die Politik der EZB uneingeschränkt gutheißen will, muss freilich die negativen Auswirkungen der Abschaffung des Zinses für das Vorsorgesparen oder die Hauspreise (Mieten) ausblenden und dafür beten, dass eine Staatsschuldenkrise ohne Nebenwirkungen durch noch mehr Schulden samt Staatsfinanzierung durch die EZB gelöst werden kann.

          Ziehen die „Jamaika-Verhandler“ (CDU, CSU, FDP, Grüne) den richtigen Schluss aus der komfortablen Kassenlage für ihr wahrscheinliches Regierungsbündnis? Ein Staat nimmt seinen Bürgern Stück für Stück Freiheit, wenn er ihnen immer weniger Geld lässt. Nicht mehr Verteilungspolitik braucht es, sondern mehr Freiheit und Zukunftsinvestitionen in Bildung, Digitalisierung und Infrastruktur.

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