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Kommentar : Was von des Kanzlers Rede übrig blieb

Die Bildungsministerin lässt sich für Erleichterungen feiern, die sie ausbildenden Betrieben verschaffen will. Doch sind die Pläne Frau Bulmahns ein Rückschritt: Der Kanzler hatte mehr versprochen.

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          Die Bundesbildungsministerin lässt sich feiern. Volle fünf Jahr lang will Edelgard Bulmahn die Ausbildereignungsverordnung aussetzen. Bis zu 20.000 mehr Betriebe als bisher könnten künftig ausbilden. Frau Bulmahn verspricht sich einen dringend benötigten Schub bei den Ausbildungsplätzen. Bravo!

          Doch ob es dazu kommt? Das muss mit Fug und Recht bezweifelt werden. Die wirtschaftliche Lage und die wirtschaftspolitischen Unsicherheiten sind auf absehbare Zeit nicht so, dass Betriebe sich um Auszubildende reißen werden. Wer hier zuviel verspricht, gefährdet seine Glaubwürdigkeit.

          Zyniker können indes darauf verweisen: Um die Glaubwürdigkeit muss sich diese Regierung ohnehin nicht mehr kümmern!

          Wir erinnern uns. Noch nicht mal drei Wochen ist es her, dass der Bundeskanzler in seiner groß angekündigten Reform-Rede versprach: Jeder, der fünf Jahr lang einen Betrieb erfolgreich geführt habe, solle künftig ausbilden dürfen! Das ist ein Wort - und schon vergessen. Denn die Generalklausel des Kanzlers hat Frau Bulmahn mit ihren befristeten Ausbildungserleichterungen unter den Tisch fallen lassen. Das ist ein Rückschritt, kein Fortschritt. Und es ist der Auftakt eines Sammelromans unter dem Titel „Was von des Kanzlers Rede übrig blieb“. Fortsetzung folgt.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

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