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Kommentar : Währungsfrust

Der Euro ist auf dem höchsten Stand seit drei Jahren. EZB-Chef Mario Draghi versucht jetzt, die Währung durch Worte in die andere Richtung zu bewegen – bislang ohne Erfolg.

          Devisenprognosen gehören zu den schwierigsten Vorhersagen überhaupt. Als die Europäische Zentralbank vor drei Jahren ihr billionenschweres Anleihekaufprogramm beschloss, sagten viele eine Abwertung des Euros bis auf die Dollar-Parität oder sogar darunter voraus. Doch wenn es EZB-Chef Draghis Ziel war, den Euro runterzutreiben, dann ist das misslungen.

          Inzwischen hat der Euro aufgewertet und der Greenback wertet kräftig ab. Dass allein Reden von Politikern wie Trumps Finanzminister längerfristige Kursbewegungen bewirken können, darf bezweifelt werden. Hinter Devisenbewegungen stehen mächtige Kapitalströme. Sie werden durch verschiedene Faktoren gesteuert, eine gegenläufige Geldpolitik und unterschiedliche Zinsniveaus auf beiden Seiten des Atlantiks zählen dazu.

          Einige Marktteilnehmer glauben offenbar, die EZB könnte ihre Geldpolitik schneller als erwartet straffen; das gab dem Euro jüngst Auftrieb. Draghi will dem entgegenwirken. Trotz seiner Dementi: Auch er versucht den Wechselkurs durch Worte zu bewegen. Nur gelingt es ihm derzeit nicht wie gewünscht. Am Ende könnte er die Billiggeldpolitik noch länger fortführen als ohnehin geplant.

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

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