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Kommentar : Vor einem Freispruch?

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Ackermann: Trotz Freispruch bleibt Makel Bild: dpa

Nach elf langen Verhandlungswochen steuert der Mannesmann-Prozeß mit dem Rechtsgespräch unerwartet schnell auf sein Ende zu. Auch bei einem Freispruch bliebe für die Angeklagten und den früheren Aufsichtsrat ein Makel.

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          Nach elf langen Verhandlungswochen steuert der Mannesmann-Prozeß unerwartet schnell auf sein Ende zu - an dem ein Freispruch stehen könnte. Was die Vorsitzende Richterin jetzt im Düsseldorfer Landgericht als „vorläufiges Resümee" verkündet hat, steht zwar noch unter einem kleinen Vorbehalt - schließlich droht einem Gericht die Ablehnung wegen Befangenheit, wenn es sich vor seinem förmlichen Urteil endgültig festlegt.

          Doch in diesem Rahmen ist die Wirtschaftsstrafkammer an die Grenze des nach der Strafprozeßordnung Zulässigen gegangen. Diese Selbstoffenbarung lag im Interesse einer zügigen und sachlichen Aufklärung der Vorwürfe in dem spektakulärsten Wirtschaftsstrafverfahren der deutschen Nachkriegsgeschichte. Daß die Staatsanwaltschaft jetzt noch neue Beweismittel auf den Tisch legen könnte, die sie nicht wenigstens in dieser Stunde der Vorentscheidung präsentiert hätte, scheint undenkbar.

          Nun winkt den Angeklagten ein Freispruch und nicht lediglich eine Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung einer stattlichen Geldsumme, zu der mancher sich bereit erklärt hatte. Ackermann kann also aller Voraussicht nach alsbald wieder, unbehelligt von Justiz oder Bankenaufsicht, den Geschäften in seiner von Fusionsgerüchten bewegten Branche nachgehen.Schmücken können sich die Angeklagten damit jedoch nicht, ein Makel bleibt.

          Denn der vorläufige Richterspruch vom Mittwoch ist ein verheerendes Verdikt über den damaligen Aufsichtsrat bei Mannesmann, aber auch über das Versagen deutscher Corporate Governance und des Systems der Mitbestimmung. Schließlich waren die vielfachen Millionenzahlungen an Vorstände, Vorstandsrentner, deren Angehörige und sogar einen Aufsichtsratsvorsitzenden aktienrechtlich unzulässig. Sie erfüllen teilweise sogar objektiv den Straftatbestand der Untreue.

          Die unternehmenseigenen Kontrolleure haben in frappierendem Maße versagt, als sie in einem chaotischen Hauruckverfahren heimlich und unter Verstoß gegen formale und offenbar auch inhaltliche Regeln des Aktienrechts die Zahlungen billigten. Wirtschaftsprüfer haben damals - entgegen ihrem mittlerweile aus anderen Gründen ramponierten Ruf - immerhin noch gröbere Pflichtverstöße verhindert.

          Zivilgerichte könnten daher womöglich noch dafür sorgen, daß der eine oder andere Prämienempfänger nicht mehr lange etwas von seinem Geld hat.Den nordrhein-westfälischen Staatsanwälten, die sich wohl in einer Theorie von Komplott und Käuflichkeit verrannt haben, ist es zumindest zu verdanken, daß sie diese Umstände aufgedeckt haben.

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