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Kommentar : Viel Ehrgeiz, wenig Gefühl

  • -Aktualisiert am

Telekom-Chef Ron Sommer gesteht keine Fehler ein. Das kennt man aus der Politik - mögen tut man es trotzdem nicht.

          Ron Sommer hat viel geredet heute, doch wenig gesagt. Die Kritik der Aktionärsschützer ließ er an sich abprallen - Sommer hält seinen Stil und seine Strategie für goldrichtig.

          Folgerichtig schiebt er den Finanzmärkten den Schwarzen Peter zu - sie würden den wahren Wert der T-Aktie nicht erkennen. Sie sei unterbewertet. Und die Strafanzeige gegen ihn, er habe von der Falschbewertung der Telekom-Immobilien gewusst? Die hält er selbstredend für unbegründet.

          Der Kurs muss nach oben

          Aus Sommers Sicht ist die Strategie „Augen zu und durch“ verständlich. Der promovierte Mathematiker ist enorm ehrgeizig, er glaubt an seinen Geschäftskurs und - er sitzt fest im Sattel. Der Bund als Mehrheitsaktionär hält ihm - noch - die Treue. Doch so selbstbewusst, manchmal gar selbstgerecht, der Telekom-Chef auch auftritt - er ist unter Druck. Er will und muss mit allen Mitteln den Aktienkurs nach oben treiben. Dann vergisst man wohl auch den Immobilien-Fauxpas. Erst dann hat er Ruhe.

          Dazu sind neben einem günstigen Börsenumfeld zahlreiche Bedingungen zu erfüllen: Ein erfolgreicher Börsengang der Mobilfunktochter T-Mobil, endlich schwarze Zahlen beim Internet-Serviceanbieter T-Online, keine unerwarteten finanziellen Zusatzbelastungen durch den Erwerb von Voicestream und ein absehbarer Erfolg des UMTS-Abenteuers.

          Sommer ohne jegliches Fingerspitzengefühl

          Das sind viele Bedingungen - doch nur so scheint mittelfristig ein Erreichen, etwa des Emissionspreises der dritten Telekom-Tranche, von 63,50 Euro möglich. Denn daran wird Sommer gemessen werden. Die Deutsche Telekom ist keine Neue Markt-Klitsche. Die Tatsache, dass ein Dax-Unternehmen so schnell, so viel an Wert verloren hat wie die Deutsche Telekom, ist einmalig. 75 Prozent in einem Jahr - von 103,50 Euro auf rund 26 Euro.

          Auch wenn die Konsortialbanken, die Analysten, ja die Anleger selbst eine Teilschuld an der Entwicklung tragen. Schlussendlich führt Ron Sommer den Laden - mit harter Hand, wie die Personalentscheidungen bei T-Online bewiesen. Er also trägt die Verantwortung, die er sich durch umstrittene Aktienoptionsprogramme auch fürstlich entlohnen lässt. Doch auf ein Eingeständnis Sommers, er habe auch nur den kleinsten Fehler gemacht, wartete man vergebens. Genau diese kleine Geste hätte die Gemüter auf der Hauptversammlung schon besänftigen können - gerade weil man sie nicht erwartete.

          Doch dazu konnte sich Ron Sommer trotz der verständlichen und meist berechtigten Kritik nicht durchringen. Solches Verhalten kennt man nur zu gut aus der Politik - mögen tut man es trotzdem nicht. Gewinnt Sommer sein Spiel, dann ist er allein der Held. Verliert er, dann leiden noch viele andere mit ihm.

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