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Kommentar : Verlustverschleierung

Um in der Griechenland-Krise die Verluste für Europas Steuerzahler zu verschleiern, tüftelt die Politik an komplizierten Vereinbarungen. Deren Wirkung ist ökonomisch gesehen identisch mit einem Schuldenschnitt.

          Unangenehme Tatsachen vor den Wählern zu verschleiern gehört zum Geschäft der Politik. Im Zuge der „Eurorettung“ hat die europäische Politik darin eine wahre Meisterschaft entwickelt. Griechenland erhalte Kredite, keine Geschenke, hieß es stets. „Kein Cent“ der Kredite werde erlassen, versprach der CDU-Fraktionsvize Fuchs noch im Frühjahr.

          Jetzt wird immer konkreter über Schuldenerleichterungen debattiert. Hellas Schuldenquote dürfte bald 200 Prozent der Wirtschaftsleistung erreichen und dann nur schleppend sinken. Auch die Schönredner der Eurorettung müssen eingestehen, dass ein Schuldenschnitt unumgänglich ist. Dabei werden die Gläubiger, also Europas Steuerzahler, Verluste erleiden.

          Um dies zu verschleiern, tüftelt die Politik an komplizierten Vereinbarungen mit einer nochmaligen Senkung der schon jetzt sehr günstigen Zinsen und um bis zu 30 Jahre verlängerten Laufzeiten der Kredite. Das hieße, die letzten Hilfskredite würden erst in den 2080er Jahren zurückgezahlt (wenn die Enkel der heutigen Politiker Greise sind). Ökonomisch gesehen ist die Wirkung identisch mit einem Schuldenschnitt, nur hofft die Politik, der dumme Michel werde das nicht verstehen.

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

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