https://www.faz.net/-gqe-8ytbr

Kommentar : Vegane Fehlentscheidung

„Pflanzenkäse“ und „Tofubutter“ darf es nicht mehr geben. Was für ein Unsinn. So blöd sind die Verbraucher nicht.

          1 Min.

          Bier darf nicht „bekömmlich“ heißen. Der Agrarminister würde am liebsten die „vegetarischen Schnitzel“ verbieten. Und der Europäische Gerichtshof hat am Mittwoch allen Ernstes entschieden: „Pflanzenkäse“ und „Tofubutter“ darf es künftig auch nicht mehr geben. Milch, Butter, Käse, Sahne und Joghurt – all diese Wörter dürfen nur verwendet werden, wenn Milch aus einem Tiereuter im Produkt steckt.

          Mit Verlaub: So blöd sind die Verbraucher nicht. Manche ernähren sich vegan, andere nicht. Manche finden es anstrengend, bei Partys darauf zu achten, dass veganes Essen auf dem Tisch steht. Andere finden es unmoralisch, Tierprodukte zu essen. Aber alle, Veganer und Fleischesser, werden bemerken, dass in „Pflanzenkäse“ eben keine Milch steckt.

          Wohlgemerkt: Es ging in dem Urteil nicht um Betrug. Niemand hat Pflanzenkäse als echten Käse ausgegeben. Stattdessen hat ein so genannter Wettbewerbsverband, der immer wieder durch Abmahnungen auffällt, einen Hersteller von Tofu-Produkten in die Fänge der Justiz gebracht.

          Tatsächlich entspricht das Urteil des Europäischen Gerichtshofs den geltenden EU-Verordnungen. Da ist das eigentliche Problem.

          Wenn Politiker denken, die Verbraucher könnten veganen Käse nicht von echtem Käse unterscheiden oder vegetarische Schnitzel nicht von echten Schnitzeln, dann liegen sie weit daneben. Soll die Sojamilch künftig „Sojaflüssigkeit“ heißen? Wer so etwas propagiert, macht die Einkaufswelt nicht leichter, sondern komplizierter.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Schweiz buhlt um Deutsche

          Tourismus : Schweiz buhlt um Deutsche

          Den Eidgenossen fehlen die ausländischen Gäste, vielen Hotels droht der Konkurs. Nun wollen sie bei deutschen Touristen punkten – mit praktischen und geldwerten Angeboten.

          Topmeldungen

          Tourismus : Schweiz buhlt um Deutsche

          Den Eidgenossen fehlen die ausländischen Gäste, vielen Hotels droht der Konkurs. Nun wollen sie bei deutschen Touristen punkten – mit praktischen und geldwerten Angeboten.
          Gut gelaunt mit amerikanischen Soldaten am Truppenstützpunkt Ramstein: Amerikas Präsident Donald Trump im Jahr 2018.

          Trumps Abzugspläne : Ein weiterer Tiefschlag

          Sollten Tausende amerikanische Soldaten Deutschland verlassen, würde das vor allem dem Pentagon selbst zu schaffen machen. Für das transatlantische Verhältnis aber verheißt es nichts Gutes.
          Nicht nur Gnabry (links) und Goretzka trafen für den FC Bayern in Leverkusen.

          4:2 in Leverkusen : Der FC Bayern ist eine Klasse für sich

          Die Münchner meistern die wohl größte Hürde, die auf dem Weg zum Titel noch zu nehmen war, mit dem klaren Sieg in Leverkusen souverän. Die fußballerische Perfektion erinnert an die besten Phasen unter Pep Guardiola.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.