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Kommentar : Vegane Fehlentscheidung

„Pflanzenkäse“ und „Tofubutter“ darf es nicht mehr geben. Was für ein Unsinn. So blöd sind die Verbraucher nicht.

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          Bier darf nicht „bekömmlich“ heißen. Der Agrarminister würde am liebsten die „vegetarischen Schnitzel“ verbieten. Und der Europäische Gerichtshof hat am Mittwoch allen Ernstes entschieden: „Pflanzenkäse“ und „Tofubutter“ darf es künftig auch nicht mehr geben. Milch, Butter, Käse, Sahne und Joghurt – all diese Wörter dürfen nur verwendet werden, wenn Milch aus einem Tiereuter im Produkt steckt.

          Mit Verlaub: So blöd sind die Verbraucher nicht. Manche ernähren sich vegan, andere nicht. Manche finden es anstrengend, bei Partys darauf zu achten, dass veganes Essen auf dem Tisch steht. Andere finden es unmoralisch, Tierprodukte zu essen. Aber alle, Veganer und Fleischesser, werden bemerken, dass in „Pflanzenkäse“ eben keine Milch steckt.

          Wohlgemerkt: Es ging in dem Urteil nicht um Betrug. Niemand hat Pflanzenkäse als echten Käse ausgegeben. Stattdessen hat ein so genannter Wettbewerbsverband, der immer wieder durch Abmahnungen auffällt, einen Hersteller von Tofu-Produkten in die Fänge der Justiz gebracht.

          Tatsächlich entspricht das Urteil des Europäischen Gerichtshofs den geltenden EU-Verordnungen. Da ist das eigentliche Problem.

          Wenn Politiker denken, die Verbraucher könnten veganen Käse nicht von echtem Käse unterscheiden oder vegetarische Schnitzel nicht von echten Schnitzeln, dann liegen sie weit daneben. Soll die Sojamilch künftig „Sojaflüssigkeit“ heißen? Wer so etwas propagiert, macht die Einkaufswelt nicht leichter, sondern komplizierter.

          Patrick Bernau
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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