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Kommentar : Unberechenbares China

Die Proteste in China gegen Japan zeigen, wie unberechenbar ein Land ist, in dem es weder Opposition noch Rechtsstaat oder Pluralismus gibt. Nichts wäre falscher, als sich wirtschaftlich von China abhängig zu machen.

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          Die Proteste in China gegen Japan sind entlarvend und gefährlich zugleich. Niemand darf hier öffentlich demonstrieren, ohne dass das autoritäre Regime das billigt. Die Regierung nutzt den Volkszorn außenpolitisch, um Japan im Streit um die Inselgruppe (samt Fischgründen und Bodenschätzen) unter Druck zu setzen. Innenpolitisch, um China zusammenzuhalten.

          Externer Sündenbock

          Im Jahr des Machtwechsels messen unterschiedliche Strömungen ihre Kräfte, zugleich steht die Wirtschaft vor großen Herausforderungen. Da kommt ein externer Sündenbock gerade recht. Gefährlich sind die abermaligen Proteste ganz unmittelbar für die Japaner in China und für ihre Unternehmen. Die Ereignisse sollten auch anderen ausländischen Investoren zu denken geben.

          Lage der umstrittenen Inseln im Ostchinesischen Meer
          Lage der umstrittenen Inseln im Ostchinesischen Meer : Bild: F.A.Z.

          Schon 1999 nach der versehentlichen Bombardierung der chinesischen Botschaft in Belgrad und später nach dem Empfang des Dalai Lamas in Frankreich wurden fremde Unternehmen angegriffen oder boykottiert. Die neuen Vorfälle zeigen, wie unberechenbar ein Land ist, in dem es weder Opposition noch Rechtsstaat oder Pluralismus gibt. Nichts wäre falscher, als sich wirtschaftlich von China abhängig zu machen. Leider passiert genau das.

          Christian Geinitz
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

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