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Kommentar : Übers Knie

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy will die Finanztransaktionssteuer im Alleingang einführen. Das ist ökonomischer Unsinn und untergräbt den Glauben an die Zukunft des Euro.

          Frankreichs angedrohter Alleingang bei der Finanztransaktionssteuer ist Gift für den Euro, gleichgültig wie man zu der Steuer grundsätzlich steht. Die internationalen Investoren beklagen zu Recht die angeschlagene politische Handlungsfähigkeit Europas und des Euroraums. Die Zweifel an der europäischen Einigkeit untergraben den Glauben an die Zukunft des Euro. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy aber will jetzt die Einführung der Finanztransaktionssteuer übers Knie brechen, weil er kurz vor der Präsidentenwahl entdeckt hat, wie wenig seine Sonntagsreden gegen Banken und Finanzmarktspekulanten durch Taten untermauert sind.

          Dabei ist die Einführung einer solchen Steuer - zumal in einem einzigen Land - ökonomischer Unsinn. Den Handel ins nahe gelegene London oder Frankfurt zu verlegen wäre für die französischen Banken ein Kinderspiel. Daher müsste ihr Satz im Fall eines Vorpreschens Frankreichs derart niedrig ausfallen, dass ihn die Marktteilnehmer kaum spüren. Dann aber würde aus der Steuer eine leere, ihres Zweckes beraubte Hülse. Aus der Ära Sarkozy kennt man diese Neigung leider nur allzu oft: Die Politik verkommt zum Spiel mit Symbolik.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

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