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Kommentar : Teures Öl

  • -Aktualisiert am

Die Ölpreise halten sich auf einem hohen Niveau Bild: AFP

Der Auftrieb der Ölpreise hat mit Irans Drohung zu tun, die Hormus-Meerenge zu blockieren. Das ist schlecht für Unternehmen und Verbraucher. Doch es gibt auch gute Nachrichten vom Ölmarkt.

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          Es ist eine kuriose Situation: Die Konjunktur leidet in wichtigen Industriestaaten, die Staatsschuldenkrise beunruhigt Börsenanleger und Verbraucher - und trotzdem halten sich die Ölpreise auf einem hohen Niveau. Vieles deutet darauf hin, dass die Ölpreise weiterhin über der Marke von 100 Dollar je Barrel (159 Liter) liegen werden.

          Europäisches Brent-Öl hat sich innerhalb eines Jahres um 16 Prozent verteuert. Dabei bedeuten schlechtere Wirtschaftsaussichten in der Regel, dass weniger Rohstoffe verbraucht werden. Deren Preise sollten daher eigentlich nachgeben.

          Die Aussicht auf steigende Ölpreise ist eine schlechte Nachricht für Konzerne, die Öl zur Herstellung von Gütern benötigen, sowie für Verbraucher, die Kraftstoffe für ihr Auto kaufen oder ihre Wohnung mit Heizöl wärmen. Hinzu kommt, dass dieser Trend auf ein Jahr folgt, in dem Autofahrer hierzulande für Sprit schon im Schnitt so viel zahlen mussten wie noch nie.

          Der Auftrieb der Ölpreise in diesen Wochen hat mit der Drohung Irans zu tun, die Hormus-Meerenge im Persischen Golf zu blockieren. Hintergrund ist der Streit über das Atomprogramm und ein mögliches Ölembargo durch die Europäische Union. Eine langfristige Sperrung der wichtigen Ölroute ist allerdings unwahrscheinlich, weil das amerikanische Militär dies nicht zulassen würde.

          Öltanker transportieren jeden Tag etwa 17 Millionen Barrel Rohöl durch diese Wasserstraße. Die Ölmenge entspricht knapp 20 Prozent des täglichen Verbrauchs auf der Welt. Der Konflikt zwischen Iran und dem Westen schürt die Angst um Lieferengpässe für Rohöl. Kein Wunder, dass in solchen Zeiten die Anleger an den Ölmärkten nervös sind, auch wenn es Alternativrouten über Pipelines gibt und die Industrieländer über Reserven verfügen, die sie im Notfall anzapfen können.

          Ölbedarf in China, Generalstreik in Nigeria

          Höhere Ölpreise haben auch damit zu tun, dass sich der Ölbedarf allen voran in den wachsenden Schwellenländern wie China erhöht. Zuwächse gibt es auch im Nahen Osten. In jüngster Zeit gab es zudem mehrere Probleme auf der Angebotsseite - also bei der Ölproduktion. Dies trifft nicht nur auf Länder wie die Vereinigten Staaten zu, sondern auch auf Regionen wie die Nordsee.

          Ereignisse wie der Generalstreik in Nigeria wegen steigender Benzinpreise könnten die Ölproduktion ebenfalls beeinträchtigen. Das Land ist der größte Ölproduzent in Afrika und ein wichtiger Lieferant für die Vereinigten Staaten, den größten Ölverbraucher der Welt. Ölkonzerne wie Royal Dutch Shell und Exxon Mobil arbeiten in Nigeria.

          Förderung immer teurer und aufwendiger

          Derzeit ist es weniger die Frage, ob der Welt bald das Öl ausgehen wird. Denn wie viel von dem Rohstoff tatsächlich noch im Boden steckt, weiß niemand genau. Immer wieder überraschen Ölkonzerne mit neuen Funden. Fest steht aber auch, dass die Förderung immer teurer und aufwendiger geworden ist. Oft liegt das Öl in schwer zu erreichenden Tiefen weit unter dem Meeresspiegel. Das BP-Desaster im Golf von Mexiko hat gezeigt, dass die Ölförderung in solchen Meerestiefen große Risiken und Schäden für die Umwelt mit sich bringen kann.

          In Europa, aber auch im Osten der Vereinigten Staaten zeigt sich derweil, dass zunehmend Raffinerien vom Markt verschwinden. Sie wandeln das Rohöl in Produkte wie Benzin, Kerosin und Heizöl um. Die Gründe für den Rückzug im Raffineriemarkt sind Überkapazitäten und die Tatsache, dass viele Länder billiger raffinierte Produkte aus Schwellenländern einführen. Schrumpfen die Raffineriekapazitäten, ist zu erwarten, dass die Preise, zum Beispiel für Diesel, steigen werden.

          Libyen bringt zunehmend mehr Öl auf den Markt

          Der Ölmarkt ist ebenfalls für Banken und Hedgefonds ein wichtiges Geschäft. Selbst Privatanleger können auf die Preisentwicklung von Öl setzen. Viele spekulativ orientierte Finanzanleger vertrauen mittlerweile wieder auf steigende Preise. Zahlen von Aufsichtsbehörden belegen, dass die Wetten auf steigende Ölpreise zugenommen haben.

          Es gibt aber auch gute Nachrichten für den Ölmarkt: Das ölreiche Libyen bringt zunehmend mehr Öl auf den Markt. Besonders Europas Volkswirtschaften sind auf diese Lieferungen stets angewiesen gewesen. Im vergangenen Frühjahr waren die Ölpreise rasant geklettert, weil in dem nordafrikanischen Land ein Bürgerkrieg ausbrach. Libyen pumpte vor der Krise 1,6 Millionen Barrel Öl am Tag, mit den Kämpfen ging die Produktion fast vollständig zurück. Mittlerweile beträgt die Förderleistung wieder mehr als eine Million Barrel täglich.

          Hohe Ölpreise sind im Sinne der Opec

          Wichtig ist, wie sich die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) verhält. Stets halten sich Spekulationen auf eine Angebotskürzung der Opec. Dabei hat das Kartell kürzlich beschlossen, die Produktionshöhe auf 30 Millionen Barrel am Tag festzulegen. Das ist etwa so viel Öl, wie die Opec derzeit fördert. Hohe Ölpreise sind natürlich im Sinne der Opec, weil sie die Gewinne erhöhen. Außerdem sind nach der arabischen Revolution nun Länder wie Saudi-Arabien verstärkt darauf angewiesen, mittels ihrer Öleinnahmen steigende Wohlfahrtszahlungen für die Bevölkerung zu finanzieren.

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