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Kommentar : Daimlers seltsames E-Mail-Angebot

  • -Aktualisiert am

Bei Daimler ist das Postfach nach dem Urlaub auf Wunsch leer. Bild: dpa

Auf Wunsch haben Daimler-Mitarbeiter nach dem Urlaub ein leeres Mail-Postfach. Aber das entlastet sie nicht wirklich. Das Grundproblem ist ein anderes.

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          Wer kennt das nicht: Kaum ist man mal zwei Wochen in Urlaub, empfangen einen anschließend 1000 ungelesene E-Mails. Was nun? Für zwei Tage in Outlook abtauchen? Unrealistisch. Alle löschen? Auch keine Lösung, zwischen Newslettern und Nonsens verbirgt sich schließlich auch manch wichtige Nachricht.

          Also wird der Berg häppchenweise abgearbeitet – und die Urlaubserholung ist dahin. Wenn der Autohersteller Daimler nun seinen Mitarbeitern anbietet, alle E-Mails während ihrer Abwesenheit zu löschen, damit sie „einen sauberen Schreibtisch“ vorfinden, dann ist das dennoch eine seltsame Sache. Der Schreibtisch mag dann zwar leer sein – womöglich aber auch zu leer.

          Wer bei den Kollegen erst mühsam in Stille-Post-Manier erfragen muss, was sich in seinem Projekt in der Zwischenzeit getan hat, wer was mit wem besprochen hat, hätte im Zweifelsfall mehr von einem knappen Protokoll im E-Mail-Fach. Das Grundproblem ist denn auch ein anderes: Es sind nicht die Mails, die während eines Urlaubs eingehen, es ist die schiere Masse an E-Mails, die jeden Tag verschickt wird.

          Gerade erst hat eine Studie der Unternehmensberatung Bain gezeigt, dass 30.000 Nachrichten im Jahr im Konzernalltag keine Ausnahme sind, sondern der Durchschnitt. Hier müssten die Unternehmen ansetzen. Viele Fragen lassen sich am Telefon schneller klären als auf dem Wege des E-Mail-Ping-Pong, und nicht in jeder Mail muss die Abteilung „z.K.“ oder „FYI“ auf den Verteiler. Wie in anderen Lebensbereichen gilt auch hier: Lieber über das ganze Jahr hinweg Maß halten – dann braucht es keine Radikalkur.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

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