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Kommentar : Sparen in der Inflation

Solides Wirtschaftswachstum und steigende Rohstoffpreise dürften für eine etwas höhere Teuerung sorgen. Sparer müssen ganz und gar nicht darunter leiden.

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          Das Jahr 2017 könnte Begegnungen mit einem Gespenst bescheren, das sich in den vergangenen Jahren rargemacht hatte und über dessen Ableben bereits spekuliert wurde. Das Gespenst heißt Inflation.

          Es spricht zwar nichts für sehr hohe Inflationsraten in absehbarer Zeit, aber angesichts eines insgesamt soliden Wirtschaftswachstums, steigender Rohstoffpreise und einer sich allmählich belebenden Kreditnachfrage könnte sich die Inflationsrate in den Industrienationen schneller als erwartet jener Marke von 2 Prozent nähern, die sich viele Notenbanken als Ziel gesetzt haben. Auch wenn das Thema Inflation an den Kapitalmärkten noch weitgehend verdrängt wird, sollten sich Sparer darauf einstellen.

          Kein Schicksal

          Die wichtigste Schlussfolgerung lautet: Da die kurzfristigen Zinsen zumindest in der Eurozone so schnell nicht steigen dürften, werden Guthaben bei Banken und Sparkassen als Kapitalanlage noch unattraktiver, als sie es heute schon sind. Das ist nichts Neues: Die Deutsche Bundesbank hat vor einiger Zeit selbst darauf hingewiesen, dass in der D-Mark-Zeit während vieler Jahre die Verzinsung von Sicht- und Spareinlagen unter der damaligen Inflationsrate lag.

          Das ist aber kein Schicksal. Es gibt Möglichkeiten, reale Vermögensverluste zu vermeiden oder zumindest zu begrenzen. Empfohlen werden in Zeiten steigender Inflationsraten gerne Anlagen in Sachwerte, zum Beispiel - durch Aktien oder indirekt Aktienfonds - in erfolgversprechende Unternehmen. Die Logik hinter diesem Rat ist einfach: Inflation ist gleichbedeutend mit steigenden Güterpreisen, und steigende Güterpreise bedeuten steigende Umsätze der Unternehmen, aus denen wachsende Gewinne entstehen, wenn die Kosten wie Löhne entweder gar nicht oder nur mit zeitlicher Verzögerung steigen.

          Die langfristige Anlage in Aktien sollte unabhängig von der Inflationsrate ohnehin fester Bestandteil einer Vermögensbildungsstrategie sein. Aber es gibt auch Anleger, die Aktien nicht kaufen wollen oder als Folge von Vorschriften nicht kaufen können.

          Hier kommt ein Finanzprodukt in Frage, das in Deutschland bisher nie populär geworden ist, obgleich es sich in Ländern wie den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich und Italien großer Beliebtheit erfreut: die inflationsgeschützte Anleihe. Sie kennt keinen Festzinskupon; stattdessen wird der Kupon während der Laufzeit an die Inflationsrate angepasst. Auch der Bund begibt solche Papiere. Sie sind kein Allheilmittel - aber eine Überlegung wert.

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

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