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Kommentar : Simples Feindbild

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orn. Die Welt ist einfach, wenn die Feindbilder simpel sind. "Humankapital" ist das Unwort des Jahres, "Luftverschmutzungsrecht" folgt auf Platz drei. Diesen Unehrentitel vergibt eine Jury von Sprachwissenschaftlern, wenn ein Wort ...

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          orn. Die Welt ist einfach, wenn die Feindbilder simpel sind. "Humankapital" ist das Unwort des Jahres, "Luftverschmutzungsrecht" folgt auf Platz drei. Diesen Unehrentitel vergibt eine Jury von Sprachwissenschaftlern, wenn ein Wort "sachlich grob unangemessen" ist und "möglicherweise die Menschenwürde verletzt". An den Kriterien ist nichts auszusetzen. Sprache prägt das Denken, es gilt, früh auf die Bremse zu treten. Im Fall des Luftverschmutzungsrechts wird in der Tat ohne Wimpernzucken ein positives Recht an etwas Negativem festgestellt. Allein - darf man hier stehenbleiben und ausblenden, daß erst definierte Ansprüche Grenzen setzen, daß das implizite Recht auf Verschmutzung ohne ein explizites Verschmutzungsrecht unendlich wäre? Wird etwas unangemessen dadurch, daß man es klar beim Namen nennt? Wirklich bedenklich ist jedoch die Wahl des Wortes "Humankapital". Es degradiere Menschen zu nur noch ökonomisch interessanten Größen, lautet der Vorwurf. Also degradieren auch funktionale Kollektivbegriffe wie Personal, Mitarbeiter und Gewerkschaft? Wohl kaum. Der Feind ist das Wort "Kapital". Dabei ist Kapital schlicht Vermögen - und entspringt in jeder Form stets menschlichen Köpfen. Die ganze abendländische Philosophie ist darauf ausgerichtet, daß der Mensch diesen Reichtum vervollkommnet. Vor einem Reflex, der darin Böses sehen will, vermag der Humanismus nur zu kapitulieren.

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