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Kommentar : Ryanair - kein Gegner für Lufthansa

Ryanair ist für die Lufthansa kein Gegner aus ihrer Liga, dem Kranich reißt Michael O´Leary keine Federn aus. Ein Kommentar.

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          Michael O´Leary nimmt den Mund gern voll. Und das macht der CEO des Billigfliegers Ryanair auf eine so sympathisch hemdsärmelige Art, dass man sich insgeheim mitfreut, wenn er wieder zu verbalen Attacken gegen die Lufthansa ausholt, die jahrzehntelang mit ihren hohen Flugpreisen die Laune am Fliegen verdarb.

          Dank Ryanair ist Fliegen wieder richtig billig geworden: Touristen überwinden ihre seit dem 11. September kultivierte Flugangst, greifen nach den kleinen Scheinen im Portemonnaie und fliegen kurzfristig an Orte, die ihnen noch nie als Reiseziel in den Sinn gekommen waren: Perpignan, Pisa oder Bournemouth.

          Aber reicht diese Entwicklung als Kampfansage an die Lufthansa? Eindeutig nicht.

          Ungleiches Streckennetz

          Es beginnt beim Streckennetz. Weder fliegt der Kranich-Carrier auf den gleichen Routen wie Ryanair, noch hat die irische Fluggesellschaft ein auch nur annähernd so großes Netz wie die Deutschen. Denn Lufthansa ist ein globales Unternehmen: mit Flugrouten um die ganze Welt, ausgeweitet in Zusammenarbeit mit Partner-Airlines.
          Ryanairs Konzept beschränkt sich dagegen auf den europäischen Markt. Die von der Airline ausschließlich eingesetzten Flugzeuge vom Typ Boeing 737 sind nicht für Langstrecken geeignet.

          Im Inland greift der Vergleich auch nicht: Die Lufthansa dominiert die innerdeutschen Strecken, bekommt höchstens von Leichtgewichten wie Germania auf lukrativen Strecken wie Frankfurt-Berlin Paroli geboten. Ryanair ist hier nicht präsent.
          Auch die Pläne der Iren, von mehreren deutschen Flughäfen außer Frankfurt-Hahn und Lübeck zu starten, sind erst mal geplatzt: Von lauthals verkündeten Verhandlungen mit neun deutschen Flughäfen führte nur eine zum Erfolg: in Friedrichshafen am Bodensee.

          Entschieden vor Gericht

          Und die Preisvergleiche mit Lufthansa, mit denen die Iren für so viel Furore gesorgt haben? Auch sie taugen nicht, wie jüngst das Landgericht Köln in einem Gerichtsurteil zur Vergleichenden Werbung von Ryanair befand. Ein völlig unterschiedliches Preissystem mit Einwegstrecken wird dem Modell aller etablierten Linienfluggesellschaften gegenüber gestellt, die Sonderangebote nur beim Verkauf von Hin- und Rückflugtickets anbieten. Irreführend für den Verbraucher, wie eben auch die Richter befanden.

          Ryanair ist für die Lufthansa kein Gegner aus ihrer Liga, Kampfansagen sind daher Kriegsgeschrei eines Maulhelden. Doch da der lange fällige Wettbewerb im Flugverkehr ab Deutschland den Iren zu verdanken ist, kann man Michael O´Leary sein loses Mundwerk nicht wirklich übel nehmen.

          Monika Ganster

          Redakteurin vom Dienst bei FAZ.NET.

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