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Kommentar : Rente und Reue

  • -Aktualisiert am

Die Rente mit 63 war ein teurer Fehler. Denn sie begünstigt wohlhabende Beitragszahler und entzieht dem Arbeitsmarkt viele Fachkräfte.

          Die Einführung einer abschlagsfreien Frührente mit 63 Jahren für besonders langjährige Rentenversicherte war ein teurer Fehler. Er begünstigt zu Lasten der heutigen Beitragszahler diejenigen, die ohnehin ordentliche Renten zu erwarten haben, und er entzieht dem Arbeitsmarkt viele Fachkräfte.

          Es wäre also kein Fehler, wenn sich die neu formierende Koalition darüber Gedanken machte, wie man den Irrweg der Vorgänger korrigieren könnte. Schließlich müssen sich FDP und Grüne nicht an das Tauschgeschäft zwischen Union und SPD gebunden fühlen: Um die von der CSU geforderte Mütterrente für ältere Frauen durchzusetzen, gab Angela Merkel der von der SPD verlangten Frührente den Segen.

          Allerdings dürfte die Bundeskanzlerin aus der Rückabwicklung eines Teils des Geschäfts nicht ohne Blessuren hervorgehen. Es ist eine Sache, mehr Geld und Privilegien zu versprechen, eine andere, diese wieder zu nehmen. So könnte CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn, der die Rente mit 63 streichen will, ein einsamer Rufer bleiben. Sein Vorstoß zeigt aber, wo Geld liegt, das anderweitig besser verwendet wäre. Und er erinnert daran, gerade in der Rente nichts zu versprechen, was man schon nach kurzer Zeit bereut.

          Heike Göbel

          Verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, zuständig für „Die Ordnung der Wirtschaft“.

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